Biosprit ist für den Klimaschutz keine Lösung
Einige Zeit schien es einen Ausweg aus dem Klimawandel auch ohne Einschränkung des Energieverbrauchs zu geben: Statt fossiler Energieträger sollten nachwachsende Rohstoffe für die Produktion von Heiz- und Brennstoffen wie Benzin oder Heizöl werden.
Die Überlegung war einfach: Alles Kohlendioxid, welches durch die Verbrennung entsteht, ist ja erst kurz zuvor beim Wachsen der energiereichen Pflanzen aus der Atmosphäre entnommen worden. Auf diese Weise entsteht immer genau soviel CO2 neu, wie für die Produktion der Energieträger verbraucht wird: Ein Nullsummenspiel, ideal für die Umwelt.
Aber die Rechnung geht nicht auf.
Umwelt-Forscher haben ein wenig nachgerechnet und sind vor allem der Frage nachgegangen, wo denn die riesigen Felder für den Anbau der Energie-Pflanzen entstehen sollen. Bei der Umwandlung von Regenwald, Torfland, Savanne und Grasland in Anbauflächen wird Biomasse vernichtet, die nirgends wieder neu geschaffen wird. Dabei entsteht 17 bis 420 mal so viel CO2 als jährlich durch den Einsatz der auf diesem Land angebauten Energieträger eingespart wird.
Über 30 Jahre verdoppelt sich der Ausstoß an Treibhausgasen, insgesamt wächst er fast 200 Jahre lang an, wenn der Bedarf an Treibstoffen über nachwachsende Rohstoffe gedeckt werden würde. Da wir hinsichtlich des Klimawandels von einer deutlichen CO2-Reduktion innerhalb der nächsten Jahrzehnte sprechen wird klar, dass der Einsatz solcher Brennstoffe das Problem verschärft, statt es auch nur teilweise zu lösen.
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am 8. Februar 2008 um 19:29
Auf dem Gebiet heißt die einzige Chance zum Klimaschutz: Weniger oder kein Auto fahren. Punkt. *Jaja – ich weiß, die Auto- und Biosprit-Hersteller hören das nicht so gern …*
am 8. Februar 2008 um 21:43
Die Rechung geht auch aus anderen Gründen nicht auf. Ich habe mal überschlagen, daß die gesamte deutsche Anbaufläche nicht ausreicht, um unseren Energiebedarf zu decken. Das ist also auch dann keine Lösung, wenn wir nur noch unsere Autos füttern.
Im Endeffekt würden wir entweder Lebensmittel oder Biosprit, wahrscheinlich beides, aus armen Ländern importieren, deren Bevölkerung für unseren Fortbewegungsdrang Hunger leidet.
am 9. Februar 2008 um 10:41
@chat atkins: Richtig, aber: Das wird die Inder und die Chinesen kaum überzeugen. Und: Heizen müssen wir trotzdem, auch wenn es bei uns vielleicht nicht mehr so scheint, in China ist gerade Schnee-Chaos.
@Karl: Das scheint so. Irgendwelche Vorschläge?
am 9. Februar 2008 um 12:57
Jaja – es ist aber völlig schnurz, ob wir die Inder oder Chinesen überzeugen. Auch die wird ganz einfach und schon ‚ganz demnächst‘ das heimische Wetter und die unerwartete Höhe der nachfolgenden Versicherungspolicen überzeugen. Es fängt ja schon an …
am 9. Februar 2008 um 14:17
der Hinweis von Karl: „… Biosprit aus Ländern importieren, deren Bevölkerung (dann) für unseren Fortbewegungsdrang Hunger leide (-n müsste).“, ist m.E. einer der Kernpunkte in dieser Diskussion und sehr nachdenkenswert. Denn er zeigt ja deutlich, dass eine gutgemeinte Idee hier, an anderer Stelle unakzeptable Folgen haben kann. In den Medien wurde bereits letztes Jahr von Protesten in Mexico berichtet, deren Auslöser genau solche, durch Verwendung von Mais für die Ethanolherstellung, verursachten Preiserhöhungen bei Mais waren.
Momentan scheint mir ein sparsamerer Umgang mit der vorhandenen Energie, der auch den Vorschlag von Chat Atkins: „Weniger oder kein Auto fahren.“ einschließen würde, am pragmatischsten. Nach der 80/20 Regel wäre wohl eine Einsparung bei den z.Z. größten Verbrauchern am sinnvollsten, d.h. mit 20% Aufwand im ersten Schritt 80% Einsparung umzusetzen, wäre klimabilanztechnisch und ökonomsch gleichermaßen gefordert.
Aber da habe ich eben meine Zweifel, ob die Entscheidungen der Politik unter diesem Aspekt getroffen werden. Nur eine Beobachtung in diesem Zusammenhang (Es ist nicht mein Stil, Firmeninterna auszuplaudern, aber hiermit trete ich wohl keinem zu nahe): Letztens komme ich mit dem Heizungsmonteur, der unsere Firmenheizung (eher ein kleines Kraftwerk) wartet, ins Gespräch. Dabei meint er beiläufig: „Die gehört eigentlich in die Luft gesprengt…“
Unabhängig von seinem Ärger, in einer alten Heizanlage herumfurwerkeln zu müssen, fallen mir eben in diesem Zusammenhang einige Fragen auf: „Wie hoch ist der tatsächliche Heizenergiebedarf der deutschen Unternehmen?“, „Ist dieser wirklich, im Verhältnis zu dem der kleinen Häuslebesitzer, vernachlässigbar – denn diese werden sehr wohl zur Nachrüstung gezwungen?“, „Warum gibt es (scheinbar) kein Gesetz, dass auch die Unternehmen zu dem Einbau einer modernen, energieeffizienten Anlage bringt?“
am 9. Februar 2008 um 23:01
An anderer Stelle schon ‚mal gesagt: Technologische Lösungen (hier: Biosprit) erhöhen das Problemniveau! Punkt! Chat Atkins (Freund, Du fällst schon wieder auf!
) hat recht! Es geht nur über drastische Beschränkung des Verkehrs, nicht nur des Individualverkehrs, auch Luftverkehr (ist wohl bekannt, oder?) und auch des Schiffverkehrs! Hat schon jemand ‚mal davon gehört, was die für ’ne giftige Suppe in ihren Großdieseln verbrennen, und kilometerlange (Gift-)Fahnen hinter sich herziehen usw. usf. Leider heb‘ ich mir das nicht alles auf, dürfte aber für Interessierte leicht nachvollziehbar sein. Es hilft nix: Wir müssen insgesamt an allen Verbrauchsschrauben drehen und einige Jahrhunderte zurück, in „Qualität“ und Quantität – oder der „Sieg“ über den Planeten wird schneller errungen als uns lieb sein kann!
Trotzdem: Beste Grüße
Vogel
am 10. Februar 2008 um 09:02
Siehe auch Palmöl-Produktion und die damit verbundene zerstörung von Regenwäldern sowie die Vernichtung von Menschenaffen-Populationen.
In diesem Zusammenhang kann ‚Bio‘ nur noch als pervers bezeichent werden.
Der Mensch bringt es fertig, seinen nächsten Verwandten für eine saubere Umwalt auszurotten.
Wann das nicht allzu menschlich ist!
Oder einfach nur kapitalistisch?
am 10. Februar 2008 um 09:33
@ Vogel: Die Folgen lauten nicht nur ‚weniger Reisen‘. Jeder Verteuerung der Transportlogistik unterbricht den Warenstrom der Globalisierung. Mit ‚verlängerten Werkbänken‘ in Hinterbelutschistan ist es dann aus, wenn die Mobilitätskosten massiv steigen, sie am Ende gar 50 und mehr Prozent des Warenwertes ausmachen. Darauf läuft’s ganz marktkonform hinaus: Die Energiereserven schrumpfen rapide – bei rapide steigendem Bedarf. Da hilft uns auch kein Atomstrom und keine Sonnenenergie. Worauf ich hinauswill: Der Klimawandel erzwingt absehbar das Ende der Globalisierung. Oder: Adam Smith kannibalisiert sich. Was dann kommt? Bin ich Nostradamus?
am 10. Februar 2008 um 17:51
@Chat Atkins
! So isses, wie Du sagst, dass ich mich (wir uns) primär mit Reisen beschäftigen (Verkehr), hat mit Jörgs Aufhänger (Biosprit) zu tun. Du hast mein
Hallo Nostradamus
schön untermauert. Muss sagen, in die Richtung hatte ich meine eigenen Gedanken noch nicht weitergetrieben gehabt.
Beste Grüße
Vogel
PS.: ‚mal sehen, wie lange die Lobbyisten noch durchhalten, Flugzeugsprit iss ja immer noch steuerfrei! An dem Beispiel siehste, welche Verwerfungen uns noch bevorstehen!
am 11. Februar 2008 um 08:48
Energie sparen im Sinne von: Das vermeidbare vermeiden: Das ist gut und schön, auch wenn’s schon dafür keine Mehrheit gibt. Ich sag nur: Heizpilze. Wie sollten wir die Menschen in China oder Indien dazu bringen, auf Autos zu verzichten, wenn wir uns gleichzeitig solche Dinger aufstellen?
Aber das wird eh nicht viel bringen. In Energiespartechniken muss Geld investiert werden, das woanders nicht ausgegeben werden kann. Forschungsprogramme für Klimaschuntz-Technologien treten so in Wettbewerb mit Bildung, Renten, Kultur.
Die Industrie hätte damit am wenisten Probleme. Auch wenn es ein paar träge Konzerne gibt, letztlich profitieren sie vom technologischen Wandel. Aber werden die Wähler so eine Politik honorieren?
am 13. Februar 2008 um 18:10
@Jörg
Der Heizpilz ist ja nur ein Beispiel – draußen sitzen wollen, wenn man eigentlich nicht mehr draußen sitzen kann – Heizpilz anstatt adäquater Kleidung! Kannste fortspinnen: Wohnen in heißen Zonen – wo man eigentlich nicht wohnen sollte – mit Klimaanlage und Bewässerung durch Entwässerung wasserreicherer Zonen; Schnittblumen per Luftfracht; Erdbeeren zu Weihnachten; noch mehr Fleisch essen; noch mehr konsumieren, von allem!; täglich duschen; täglicher Wäschewechsel… Was hat das Austrocknen des Aralsees mit Unterwäsche zu tun? Ganz einfach: Die Unterwäsche wird zu oft gewechselt, es wird deshalb mehr davon benötigt, Unterwäsche ist aus Baumwolle, Baumwolle kommt u. a. aus Kasachstan …
Ich stamme noch aus der Generation, die den Samstag als Badetag und Tag des Wäschwechsels kannt – und hab‘ überlebt!! (kann ich heute kaum noch glauben!!)
Denk‘ an meine Worte: „Auftrag erfüllt …“
Wenn die Dritte Welt mit 1 t CO2-Emission pro Nase auskommt, dann kann man „gestatten“ (?) auf 2 t zu verdoppeln (schon zuviel?) – unter der Voraussetzung, dass wir auch auf 2 t runtergehen! Seit Beginn des Anthropozäns verwüstet die 1. Welt die „Gesamtewelt“ – da gibt’s doch tatsächlich Erstwelt-Länder, die erwarten Beiträge der Habenichtse … *kotzwürgarrrgghh*
Grüße
Vogel
PS.: Bin stolz drauf, gegen diesen Strom zu schwimmen wo immer ich kann!
am 13. Februar 2008 um 19:31
@Chat Atkins
will Deine #8 noch‘mal untermalen: Es müsste mittlerweile auch dem bescheidensten Gemüt eingehen, dass die Mobilität von Menschen und Waren dem Planeten derartig hohe Folgekosten aufbürdet, dass drastische Beschränkungen durch Umlegen der Folge- und Nebenkosten überlebensnotwendig sind. Vor diesem Hintergrund beispielsweise über die Kraftstoffbesteuerung bei uns zu diskutieren ist gerade zu lächerlich: Stahl, Kunststoffe, Glas usw. und: Millionen von Reifen: Stahlcord, Kunststoffe, Kautschuk, Ruß – erst herstellen, dann entsorgen … und das alles unter den Bedingungen massiv subventionierter Transporte!
Sollten die Folge- und Nebenkosten effektiv umgelegt werden, kann sich jeder selbst ausmalen, was das bedeutet. Die Zeit lokaler Konflikte geht dann dem Ende entgegen … spätestens dann wird der Mensch in den von Th. Hobbes im Leviathan beschriebenen „Naturzustand“ eintreten, Konsequenz: „Bellum omnium contra omnes“ (hatten wir gestern, haben wir heute, Unterschied: Es gibt [noch] substituierende Ziele wie z. B. die Natur, die Umwelt, die Unterentwicklung bestimmter Bereiche etc. Wenn diese Substitute eines, nicht so fernen Tages, aufgebraucht sind, geht’s Mann gegen Mann!)
Grüße
Vogel
PS.: Das nur als weitere Fußnote zum Thema – was reden wir da über‘n bisschen Biosprit und einen herbeigelogenen(!!) Beitrag dessen zum Klimaschutz! Auf die „Giftgasfahnen“ die die 300.000 BRT-Megapötte kilometerweit hinter sich herziehen wurde ja auch schon hingewiesen.
am 13. Februar 2008 um 19:36
Hätte ich fast vergessen: In der FAZ von gestern gab es die „Lösung“ für dieses Problem.
Die Theorie, dass die Kosten des Klimawandels der Globalisierung Grenzen setzen, finde ich sehr interessant.
am 13. Februar 2008 um 20:09
@Jörg,
ist bekannt, ist ’ne sehr gute Idee, mindert das Problem der (gasförmigen) Emmissionen und des Spritverbrauchs von Seefahrzeugen. Wirkt natürlich erst dann, wenn alle … trotzdem: Einfach gut! Danke für die Distribution einer guten Nachricht!
Beste Grüße
Vogel
am 16. Februar 2008 um 12:34
@Jörg,
hab‘ ich glatt überlesen, Du hast recht: „Kosten des Klimawandels begrenzen die Globalisierung!“ Sehr interessante Gedanke. Der Dank geht noch‘mal an Chat Atkins!
Beste Grüße
Vogel