Falco und Britney Spears
An dem Tag, an dem Falco zehn Jahre tot ist, wird Britney Spears aus der Psychatrie entlassen. Beides ist den seriösen Leitmedien in ihren Online-Ausgaben jeweils ein Bild des Stars mit großer schwarzer Sonnenbrille wert.
Wer diese beiden Meldungen kurz nacheinander liest, beginnt ganz zwangsläufig über den psychischen Druck nachzudenken, der auf solchen öffentlichen Personen lastet, ein Druck, dem sie meistens nicht gewachsen sind.
Der Mensch ist nicht dafür geschaffen, ständig unter öffentlicher Beobachtung zu stehen – erst recht nicht, wenn er glaubt, dass seine Existenz von dem Bild abhängt, welches die Öffentlichkeit von ihm hat. Notgedrungen wird er zum Schauspieler seiner selbst – und genauso unausweichlich verstrickt sich das Ich in Widersprüche zu seinem Abbild, das es sich geschaffen hat, um eben diese Widersprüche ertragen zu können. Was ein Schutzschild sein sollte, wird zur Maske, die sich nicht mehr lösen läst, und wenn diese Maske dem Ich im Spiegel (in den Augen der anderen, auf den Fernsehschirmen) entgegentritt, hält man es irgendwann für das wirkliche Selbst.
Das ist immer tragisch, und es gibt nur wenige, die es schaffen, sich diese Maske dann doch noch abzureißen, und die diesen schmerzhaften Prozess überleben. Die Stars sind die Sklaven unseres Medien-Lebens, wir brauchen sie, um uns nicht mit uns selbst zu langweilen, wir halten sie in einem goldenen Käfig aus Scheinwerfer-Licht und spielen uns auch noch selbst vor, wir würden sie beneiden.
Die Opfer-Liste dieses schaurigen Spektakels ist lang. Diese tragischen Schicksale sind sicher unvergleichbar mit den großen Katastrophen der Mesnchheit, mit Kriegen und Hungersnöten – aber keine andere menschliche Tragödie ist so notwendig, so unentrinnbar mit unserem langweiligen, trostlosen, risikolosen Alltag verknüpft. Alles, was wir nicht erkämpfen und ertragen wollen, haben wir an die Stars deligiert, und dann sehen wir lächelnd zu, wie sie daran zugrunde gehen.
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am 7. Februar 2008 um 15:08
Ohne schlechtes Gewissen muss ich feststellen das ich in meiner Funktion als Erziehender froh darum bin, dass diese Menschen aufzeigen was ich meinen Kindern nur schwer erklären kann. Denn dort lässt sich in überspitzter Art unsere eigene Verhaltensweisen und dessen Konsequenzen beobachten.
Das Schutzschild der Persona spiegelt besonders stark auf die „Stars“ zurück und formt diese nachhaltig. Macht sie sichtbar regelrecht lebens- wie beziehungsunfähig.
Ob dies moralisch verwerflich ist, muss ich bezweifeln. Denn zum einen trifft es ja auch in dieser Riege nicht grundsätzlich alle und jeden, und zum anderen drängt bei mir halt die berufliche Erfahrung mit Gewalt durch.
Gruß
am 9. Februar 2008 um 21:52
Ist es wirklich so, dass wir diese Ventile brauchen! Ist das w i r k l i c h so? Oder läuft da irgend ein geheimes „Panem et circenses“-Spiel im Hintergrund und man macht uns Glauben, es wäre so? Wer zieht da die Fäden, was wird bezweckt? Ich hab‘ ja grundsätzlich keine gute Meinung von der „Krone …“ aber neben der Umweltkacke zieht mir noch am Meisten die Sensations-Medienkacke den Draht aus der Mütze (Tschuldigung wegen der Fäkalien). Wenn mir da ‚mal einer helfen könnte – und zwar so, das ich’s versteh‘ – im Sinne von „Ist einerseits gut weil meidet andererseits …“ könnt‘ ich versuchen mich damit zu arrangieren. Also: Ich warte auf Hilfe!
Grüße
Vogel
am 12. März 2008 um 01:57
Ich schätze mal, es war Britney’s Vertrauensbeweis gegenüber George W. in Michael Moore’s „Fahrenheit 9/11″, der bei ihrem Zusammenbruch eine Rolle gespielt hat. Nennen wir das Kind (ja, genau) doch beim Namen.
Das hat ihr nicht viele neue Fans eingebracht. Mein halbherziges Mitgefühl.
Wer im Rampenlicht steht, muss sowas vertragen können