Obama, Clinton oder McCain: Bleibt alles anders?
Allmahlich wird es absurd: Gestern schrieb der Spiegelfechter doch tatsächlich, der „Super Tuesday“:
könnte entscheidend für den Gang der Weltpolitik in den nächsten vier oder gar acht Jahren sein.
und viele weitere Kommentare in Zeitungen und Blogs zeigen, dass er mit dieser Einschätzung wohl nicht alleine steht. Die einen hoffen auf eine Präsidentin, die anderen auf den ersten Schwarzen im Weißen Haus, aber in einem sind sie sich alle einig: die USA muss durch die Demokraten regiert werden, am besten durch Obama, von dem man, da er bisher nicht gefragt wurde, wenn etwas zu entscheiden war, irgendwie die friedlichste Politik erwartet.
Obama war gegen den Irak-Krieg, das macht ihn für viele zum Friedens-Engel. 2002 hat er gesagt: „Ich bin nicht gegen alle Kriege. Ich bin gegen dumme Kriege.“ Pazifisten hören sich anders an.
Die Süddeutsche weist völlig zu Recht darauf hin, dass mit einem demokratischen Präsidenten, den sich die Europäer scheinbar alle wünschen, nicht automatisch alles einfacher wird.
Die Euphorie in den Kommentare und die Begeisterung für die demokratischen Kandidaten zeigen vor allem eines: Wie sehr die Menschen das Märchen vom guten König der Welt, der alles richten und heilen wird, immer noch zu glauben bereit sind.
Aber stellen wir uns doch nur einmal vor, 2001 wäre Obama Präsident gewesen oder Hillary Clinton wäre Kinderbücher vorlesend von der Meldung der Angriffe auf das World Trade Center überrascht worden. Wären die Amerikaner und mit ihnen auch die anderen NATO-Truppen dann heute nicht in Afghanistan?
Vielleicht hätte es den Irak-Krieg nicht gegeben, das ist möglich, aber nicht sicher. Vergessen wir nicht, dass nicht nur George Bush von der Gefährlichkeit Saddam Husseins für den Weltfrieden überzeugt war, und vergessen wir auch nicht, dass diese Überzeugung, auch wenn sie nicht jeder teilte, auch nicht unbegründet war.
Jeder amerikanische Präsident war bisher bereit, in den Krieg zu ziehen, wenn die Interessen der USA irgendwo auf der Welt in Gefahr gerieten. Das war manchmal gut für die Welt und manchmal nicht. Demokratische Präsidenten werden das nicht anders handhaben. Deshalb ist für die Weltpolitik der nächsten Jahre nicht entscheidend, ob dann eine Frau oder ein Schwarzer in Washington regiert. Viel wichtiger ist, dass in Europa die Kräfte für eine eigenständige, selbstbewusste Außenpolitik gebündelt werden. Ein hoffnungsvoller aber starrer Blick auf die amerikanischen Wähler kann da nur behindern. Für diese scheint das entscheidende Thema ohnehin die Wirtschaftspolitik zu sein, ein Politikfeld, welchen außerhalb der USA allerdings von kaum einem Beobachter analysiert wird. Zu Recht, denn auch in diesem Bereich wird sich nicht viel ändern – so lange die USA die entscheidende Wirtschaftsmacht in der Welt sind.
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http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2008/02/06/obama-clinton-oder-mccain-bleibt-alles-anders/
am 6. Februar 2008 um 14:48
Wenn man den „Weltfrieden“ als oberstes Ziel haben sollte, ist es idT so, dass Miss Clinton wohl noch unangenehmer wäre, als andere Kandidaten. Außenpolitisch nehmen sich im Groben alle drei nicht viel, wobei die Feinheiten von Bedeutung sind. Multilateralismus oder Unilateralismus? 100 Jahre im Irak (McCain) oder Abzug bei beruhigter Lage (Obama)? Ein hysterisches Früchtchen am roten Knopf, dass es allen Kerlen zeigen will, wer hier ein echter Kerl ist oder ein alter Profi?
Du machst es Dir ein wenig zu einfach – natürlich ist kein Pazifist unter den aussichtsreichen Kandidaten, sie aber gleich zu setzen, erscheint mir wenig hilfreich.
am 6. Februar 2008 um 14:56
Die tatsächliche Politik des amerikanischen Präsidenten wird nicht davon bestimmt, was er vor der Wahl gesagt hat, sondern von den Umständen, die während seiner Herrschaft eintreffen, von der Stärke und dem Selbstbewusstsein seiner Verbündeten, seinen Handlungsspielräumen, den empfundenen Gefährdungen.
Ich will dir und denen, die so denken wie Du, doch nur Enttäuschungen ersparen. Was machst du, wenn Obama Präsident wird, Ahmadinedschad aber weiter an Langstreckenwaffen und Atomwaffen herumbastelt und die USA dann 2010 gegen ihn in den Krieg ziehen?
Diese ganze Konzentration der Europäer auf die Wahl jenseits des Atlantik lenkt doch nur davon ab, dass wir nicht in der Lage sind, eine unabhängige Außenpolitik zu machen, die auch noch irgendwen interessiert.
am 6. Februar 2008 um 15:17
@Jörg
Das ist klar – es gibt aber eine (gelinde gesagt) unerfreuliche Ausgangslage, anhand derer die Kandidaten Konzepte vorgelegt habe (mehr oder weniger).
Och, das ist aber nett von Dir
Ich bin es doch, der bei jeder Gelegenheit schreibt, dass sich nahezu nichts ändern wird, und die politische Lage in Nah-/Mittelost sich wahrscheinlich sogar weiter verschlechtern wird. Ich glaube ganz sicher nicht, dass der Präsi08, wie auch immer er/sie heißen wird, eine vernünftigen Kurs fahren wird.
2010 gibt es keinen Ahmadinedschad mehr … aber step by step. Es ist doch sehr unwahrscheinlich, dass der Präsi08 (so er denn nicht Clinton heißt) weiterhin mit dem Kopf gegen die iranische Mauer rennt. Das tut nur weh und hilft nichts. Sollte ein solches Szenario – gegen meine Spekulation – doch passieren, so werde ich zusehen, wie die USA in Feuer und Flammen auseinanderfallen … wenn sie es denn so wollen, bitteschön, mein Herz hängt sicher nicht an diesem Land.
Interessieren tut sie schon, leider sind die EUler idT unfähig Außenpolitik zu betreiben, was aber auch keineswegs schlimm ist. Schau Dir die Schweiz an: Außenpolitisch desinteressiert, relativ friedlich, neutral und dem Eidgenossen geht´s hervorragend.
Die EUler müssen also keine relevante Außenpolitik machen, aber dann sollen sie (wie es die Schweizer tun) sich auch vornehm zurückhalten und endlich mal die Klappe halten, wenn es um Dinge geht, von denen sie – nachgewiesenermaßen – keine Ahnung haben.
am 6. Februar 2008 um 17:36
Müsstest du deinen letzten Absatz dann nicht auch auf dich selbst beziehen
?
Denn (Spaß beiseite) heraushalten kann vielleicht eine Strategie für die kleine Schweiz, aber nicht für Länder wie Deutschland oder Frankreich und schon gar nicht für die EU als ganzes sein.
Im übrigen war nicht ich es, der den „Super Tuesday“ zum entscheidenden Tag für den Gang der Weltpolitik in den nächsten 4-8 Jahren ausgerufen hat, wenn du jetzt hier kommentierst, dass sich nahezu nichts ändern wird, solltest du vielleicht eine Korrektur in deinem eigenen Text anbringen, sonst besteht doch da ein gewisser Widerspruch, oder nicht?
am 6. Februar 2008 um 18:01
@Vogel:
Hier der Lanzenbruch:
Du siehst das in der Mehrheit der Dinge vollkommen richtig. Diese politische Fixierung auf ein Volk welches es ohne Umweg über die Kultur, von der Barbarei in‘s Industriezeitalter und wieder zurück geschafft hat, wird auch mir ein ewiges Rätsel bleiben.
Einzig das mit Hussein ist nunmehr gänzlich unstrittig. Der Mann war zu keiner Zeit eine echte Gefahr für irgend wen anderes als die Kurde und sein eigenes Volk. Siehe wenigstens hier:
http://krisen-und-konflikte.de/irak/geschich.htm
und im Nachgang hier:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,321737,00.html
@SF:
Ich unterstelle mal das Du sehr genau weisst, dass Du es dir hier zu einfach machst. Denn europäische Interessen beißen sich nun einmal mit denen der US Amerikaner. Die Entwicklung einer kontinuierlichen Aussenpolitik, setzt allerdings auch eine ebensolche Regierung voraus. Und da kann dieser Pseudo-Rat (ich möchte was zu sagen haben) eben nicht mit einem der mächtigsten Ämter der Welt mithalten. Doch der Bedarf existiert.
Gruß
am 6. Februar 2008 um 18:02
Ups, es sollte heissen:
@Jörg:
Sorry
am 6. Februar 2008 um 18:32
@Michael (wg Hussein): Klar, anschließend ist man immer klüger.
am 6. Februar 2008 um 18:42
@Jörg:
Ja, wenn Du und ich das sagen, ist das in diesem Zusammenhang auch durchaus in Ordnung. Wenn Entscheidungsträger, denen militärische Gewalt als Mittel zum Zweck zur Verfügung stehen, dies sagen, ist das ein Verbrechen gegen die Menschenrechtskonventionen. Denn die sagen in Summe auch erst einmal aus:
„Im Zweifel, für den Angeklagten“
(Manchmal klingt Latein zwar besser, aber das versteht halt nicht jeder)
Ein Grundsatz den die westliche Welt seit Jahr und Tag mit Füssen tritt.
Gruß
am 6. Februar 2008 um 18:56
Interessante Debatte.
Einigkeit besteht offensichtlich darin, daß es allerhöchste Zeit wird, daß die EU zu einer eigenverantwortlichen Außenpolitik findet und aufhört, auf die USA zu blicken, wie das Kaninchen auf die Schlange.
Die Differenzen in Bezug auf den künftigen amerikanischen Präsidenten verstehe ich allerdings nicht ganz. Die USA sind eine Oligarchie, die von einigen Faktoren derart maßgeblich beeinflußt werden, daß die Präsidenten ohnehin nur noch eingeschränkt handlungsfähig sind. Die größte Macht hat wohl der militärisch-industrielle Komplex, dicht gefolgt von den Bankern, deren philosemitische Tendenzen nicht zu leugnen sind, und der Öl-Industrie.
Daß demokratische Präsidenten grundsätzlich friedlicher sind, halte ich für ein Gerücht. So hatte zwar Clinton nicht diese irre Kriegsrhetorik wie der Dabbelju, aber dennoch eine ganze Serie von „Operations“ während seiner Amtszeit am Laufen.
Man vergleiche dazu seine Amtszeit von 1993 bis 2001 mit der Liste amerikanischer Kriege und Kampfeinsätze:
http://www.aktivepolitik.de/USA_Kriege.htm
am 6. Februar 2008 um 19:13
@Karl:
„Einigkeit besteht offensichtlich darin, daß es allerhöchste Zeit wird, daß die EU zu einer eigenverantwortlichen Außenpolitik findet und aufhört, auf die USA zu blicken, wie das Kaninchen auf die Schlange.“
In diesem Zusammenhang sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass wir eigentlich ganz froh sein können, dass diese nette Analogie in Deutschland tatsächlich noch immer zutrifft. Also vor allem auch auf politischer Ebene. Kaum auszumalen was unseren Politikern in den Sinn käme, wenn ihnen klar wäre das die US-Truppen nicht annähernd so konflikttauglich sind, wie unsere europäischen Armeen
Gruß
am 7. Februar 2008 um 16:51
@karl: Was sind philosemitische Tendenzen und warum sind die bei den Bankern nicht zu leugnen?
am 7. Februar 2008 um 17:01
@Jörg
Früher sagte man dazu „Finanzjudentum“ – heute umschreibt man dies mal mehr, mal weniger geschickt. Gemeint ist aber das gleiche. Ab ins Klo damit
am 7. Februar 2008 um 17:19
@Spiegelfechter: Danke für deine Interpretation. Bevor ich mich dieser jedoch anschließe, möchte ich den Satz zunächst erläutert haben. Philosemitismus scheint mir zunächst das gegenteil von Antisemitismus zu sein, in so fern sehe ich mich durchaus als Philosemiten – wüsste aber gern, was die amerikanischen Banken da mit mir gemeinsam haben.
am 7. Februar 2008 um 21:19
Wie darf ich denn einen Sachverhalt ausdrücken, der zwar vorhanden ist, für den mir jedoch der politisch korrekte Ausdruck nicht geläufig ist?
Fakt ist, daß es überdurchschnittlich viele jüdische Bankiers gibt. Das hat historische Ursachen, denn im Mittelalter durften weder Christen, noch Muslime Geld gegen Zinsen verleihen. Dazu kommt, daß Juden zumindest in Europa Beschränkungen in der Ausübung handwerklicher Berufe unterworfen waren. Der Beruf des Bankiers hat also eine sehr lange und erfolgreiche Tradition unter Juden.
Fakt ist weiterhin, daß Bankiers über erhebliche Macht verfügen, zum Teil direkt über ihre Finanzkraft, zum Teil durch ihren Einfluß auf Industrie, Wirtschaft und Politik.
Wenn ich nun philosemitische Tendenzen sage, so vermeide ich bewußt den Nazibegriff, der nach meinem Verständnis eine Organisation unterstellt, die ich nicht sehe. Daß andererseits ein Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Angehörigen einer Religion und eines Volkes besteht, wird wohl niemand bestreiten wollen.
Daß nun wiederum das Ausmaß der finanziellen Unterstützung eines Kandidaten von dessen erwarteter Politik abhängt, ist nur logisch.
Ihr werdet mir verzeihen, aber ich schmeiße den Sachverhalt nicht ins Klo, lieber trete ich das Denkverbot in die Tonne.
am 7. Februar 2008 um 21:24
„Gebt mir die Kontrolle über das Geld einer Nation und es kümmert mich nicht länger, wer die Gesetze macht.“ – Mayer Amschel Rothschild
am 7. Februar 2008 um 22:32
@Karl: Einerseits hat die amerikanische und auch die europäische Bankenwelt strukturell und von den Besitz- und Managementverhältnissen sicher nichts mehr mit den Strukuren vor 100 Jahren zu tun. Andererseits ist nicht anzunehmen, dass aus der Nationalität von Managern irgend etwas für das Verhalten der Unternehmen folgt.
Ich schließe die Diskussion zu diesem Artikel hiermit.