Heide Simonis hat sich von UNICEF getrennt
Manchmal braucht es den Schritt eines bekannten Menschen, damit man einen Skandal im Dschungel der Nachrichten und Meldungen überhaupt wahrnimmt. Die Tatsache, dass Heide Simonis nach zwei Jahren ihre Funktion als ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende von UNICEF Deutschland aufgibt, ist so ein Ereignis.
Als Vorstandsvorsitzende, so scheint es wenigstens auf der Webseite von Frau Simonis, hat man vor allem die Aufgabe, sich gemeinsam mit lachenden dunkelhäutigen Kindern fotografieren zu lassen. Warum gibt eine Medienfrau wie Simonis diesen Job auf?
In ihrer Erklärung ist vor allem von mangelnder Bereitschaft der Geschäftsführung die Rede, die Vorwürfe über den schlampigen Umgang mit Spendengeldern aufzuklären und überhaupt mehr Transparenz zu schaffen. Frau Simonis beklagt, dass vor allem der UNICEF-Geschäftsführer Dietrich Garlichs nicht an der Aufklärung der Vorwürfe und an der Neuorganisation des Kinderhilfswerkes interessiert sei. Ihr Nachfolger, der innerhalb von 48 Stunden gefunden war, Reinhard Schlagintweit, sagt laut Netzzeitung, die Organisation solle „verbessert so weitermachen wie bisher“.
Schadet Simonis‘ Schritt dem Anliegen der Hilfsorganisation, weil die Spender nun verunsichert sind und die Spendenbereitchaft beeinträchtigen? Oder ist es richtig, die Öffentlichkeit auf diese Weise zu arlamieren und die Organisation zur Umstrukturierung und Effizienzsteigerung zu zwingen.
Langfristig ist vor allem letzteres der Fall. Zweifel daran, dass die Spendengelder tatsächlich zum großen Teil bei den Hilfsbedürftigen ankommen und nicht in den Bürokratien der Organisationen, bei Beratern und kommerziellen Dienstleistern versickern, gibt es schon lange. Totscheigen von Unregelmäßigkeiten verstärkt da nur das Misstrauen, und um so länger die Geschäftsleitung von UNICEF Deutschland die Aufklärung hinauszögert oder für unnötig erklärt, desto schlechter wird die Stimmung der Spendewilligen.
Letztlich steht das Modell der gemeinnützigen Hilfsorganisationen generell zur Disposition. Wenig transparente, kaum kontrollierte Netzwerke von Laien, Aussteigern und Enthusiasten können den Herausforderungen der globalen Armut kaum Herr werden. Pivate, gewinnorientierte Unternehmen dürften aber dem Zweck des Engagements der ersten in der dritten Welt kaum gerecht werden. So bleiben nur multinationale, staatlich kontrollierte Organisationen, die effizient arbeiten und den jeweiligen Entwicklungshilfeministerien direkt unterstehen.
Es ist doch merkwürdig, dass solche Organisationen bisher nur für militärische Zielstellungen existieren. In Ermangelung entsprechender Strukturen im zivilen Bereich übernimmt inzwischen die Bundeswehr z.B.in Afghanistan Aufgaben der humanitären Hilfe. Für bitterarme Regionen Afrikas ist das aber kaum eine Lösung. Neue Organisationen müssen hier geschaffen werden, die die Mittel der Entwicklungshilfe und Spenden direkt und effizient dort einsetzen, wo sie gebraucht werden.
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am 4. Februar 2008 um 20:17
Hallo Jörg,
Vielleicht hat Die Dame auch nur heraus bekommen wie Fundraising wirklich funktioniert, bzw. welche Mittel und Methoden hier gegenüber den Spendern angewendet werden. Mein Bruder hat mir da mal eine „kleine“ Einführung verpasst (er war auch mal bei UNICEF in diesem Bereich tätig).
Herrje! Bis dahin hatte ich gedacht ich sei ein echt harter Retro-Kaufmann. So mit dem Blick für die wirtschaftlich verwertbare Vertragslücke/Vertragsfehler (hüstel…). Oh man, gegen diese Methoden wirken die der erzkonservativsten Kapitalisten wie ein höfliches: „Ooch bitte, bitte.“
Wenn man das erst mal hat sacken lassen, was bei diesen Organisationen Tagesordnung ist, spielt es auch kaum mehr eine Rolle, ob die ordentlich abrechnen oder nicht. Wenn da irgendwann einmal ein aktiver Insider öffentlich aus dem „Nähkästchen“ plaudert, dann spendet da eh keiner mehr. Mit der Unterstützung solcherlei Methoden will nun wirklich niemand mehr was zu tun haben.
Gruß
am 5. Februar 2008 um 13:36
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am 5. Februar 2008 um 22:22
Hi Jörg, Michael
Heide S. iss vielleicht doch ’ne Story für sich? UNICEF in jedem Fall (wie Ihr Beide von mir gehört habt, kenn‘ ich den Laden und das Sujet auch ‚n bisschen). Dass sich da beide, am Ende, nix schuldig geblieben sind, Gerlach und Simonis, und die Sache, wie immer man diese sieht, zum Nachteil des Dritten – UNICEF und die Kinder – beschädigt haben: Live live! (oder, wie mein ceterum censeo lautet: Menschen!)
Was der Schlagintweit im Fernsehen abgesondert hat (Interview heute in 3sat): Der Junge ist senil!
Grundsätzlich gilt: Man muss (!) a) über die Strukturen (wie Du’s angesprochen hast) und b) über Entwicklungshilfe generell, streiten!
Insgesamt: Danke für Deinen Artikel, Jörg!
Beste Grüße
Vogel
am 5. Februar 2008 um 22:29
Hallo,
das mit der Struktur der Organisationen für Entwicklungshilfe ist ja schon so eine Sache für sich. Ein Zyniker hat mir mal an den Kopf geknallt:
„Wenn ich Entwicklungshilfe leisten will, kauf ich mir ein Paar Turnschuhe!“
Na ja, und was soll man dazu noch sagen?
Auf der anderen Seite meine ich letztlich gelesen zu haben, dass die Regierung ohnehin an der Sache mit der Gemeinnützigkeit Arbeitet. Sprich die Rahmen dieser enger stecken will. Weiss da einer von euch beiden was zu?
Gruß
am 6. Februar 2008 um 15:25
Hi Michael,
war das zynisch? – oder einfach nur praktisch?
Grüße
Vogel
PS.: Kommt noch dazu: Geiz iss geil! Und: Die Leute sind doch nicht blöd! Win/Win an allen Fronten?!
am 6. Februar 2008 um 16:01
Hallo Vogel,
also wenn wir den Zynismus mal weg lassen, bleibt eigentlich nur fest zu stellen, dass es eigentlich überhaupt keinen privaten Markt für solche Leistungen geben dürfte. Und das ist jetzt nicht einmal zynisch gemeint. Das ganz ist schlicht ineffektiv (hoch 5, falls steigerbar). Allein die ökunomische Kette ist so blödsinnig, wie noch wie was.
- Staat erlangt durch politische Aktivität (resp. gezielte Unterlassung) ökonomische Vorteile für die eigene Bevölkerung, zu Lasten einer anderen Bevölkerung. Die dermaßen bevorteilte Bevölkerung (welche ja eigentlich der Staat ist) entwickelt in Einzelteilen ein schlechtes Gewissen und führt über o.g. Organisationen Beträge im Kleingeldbereich an die übervorteilte Bevölkerung zurück.
Gruß
am 17. Februar 2008 um 11:13
@Jörg,
komme noch‘mal auf Unicef zurück: Gerlach (GF und AR!!) hat ja jetzt die Verantwortung übernommen! Alles gut!??
Die Managerdiskussion ‚mal anders herum: 1. Wer lässt zu, dass der Lümmel obwohl GF auch noch im AR sitzt? 2. Wer guckt sowieso weg und, ob dieser Konstellation, gleich zweimal? 3. Wer ist erst‘mal zufrieden, wenn der Bote (Heide S.) hängt? 4. Wer eiert wochenlang rum, bis der Schaden maximiert ist? Menschen!
Soweit jetzt kollportiert wird, wurde Unicef schon seit Jahren aus der „la meng“ geführt, viele hatten schon ‚mal ‚n ungutes Gefühl, aber nie ‚was gesagt. Klar, solange der Gerlach ja (relative) Erfolge (relativ weil, wie man heute weiß: teuer erkauft) hatte, haben alle mit in der Sonne gesessen!! Menschen!
Beste Grüße
Vogel