Nach der Wahl ist alles anders
Es gehört zu den Besonderheiten des deutschen politischen Systems, dass kein Politiker nach der Wahl das tun kann, was er vor der Wahl angekündigt hat. Und es gehört zu den Merkwürdigkeiten der deutschen Öffentlichkeit, diese Tatsache verwerflich zu finden.
Am einfachsten haben es noch jene Parteien, die nach der Wahl in die Opposition gehen müssen: denen kann kein Vorwurf daraus gemacht werden, dass sie ihre politischen Ziele nicht umsetzen können. Deshalb ist der Wahlkampf auch für jene besonders leicht, die ohnehin keine Chance aufs Regieren haben. Aber die, die regieren wollen, befinden sich in einem Dilemma.
Vor der Wahl erwarten die Wähler, dass die Politiker klare, gut unterscheidbare Positionen beziehen. Schließlich soll man wählen, und das kann man nur, wenn man unterscheiden kann. Sonst geht es einem wie jenem Esel, der angeblich zwischen zwei gleich großen Heuhaufen verhungerte.
Die beste Form der Unterscheidbarkeit ist die Unvereinbarkeit, möglichst dargestellt an praktischen Beispielen: Soll der Flughafen ausgebaut werden oder sollen ein Nachtflugverbot her? Sollen die Unternehmenssteuern rauf oder runter? Soll die Bundeswehr in Afghanistan zu Kampfeinsätzen herangezogen werden oder soll sie dort verschwinden?
Um die Verschiedenartigeit der politischen Konzepte noch klarer zu machen, müssen sich auch die Personen möglichst klar unterscheiden, müssen sich so profilieren, dass sie als unvereinbar, als gegensätzlich wahrgenommen werden. Hier der erzkonservative Brutalo, dort die sozial-ausgleichende Landesmutter, hier der aalglatte Manager, dort das alternative Blumenmädchen, so hätten wir Wähler es am liebsten, und so bekommen wir es, soweit es irgend geht, auch präsentiert.
Nun ist die Vielfalt der Entwürfe, der Vorlieben und Ziele sowohl bei den Wählern als auch bei den Politikern so groß, dass keiner von ihnen eine Mehrheit zustande bringt. Deshalb wurden die Koalitionen erfunden. In Koalitionen muss das Unvereinbare plötzlich zusammengebracht werden.
Dass das funktioniert, erwarten die Menschen von ihren Politikern, dass sie es wirklich schaffen, ist ihnen gleichzeitig suspekt. Dei Meisten von uns wären nämlich keineswegs zu solchen Kompromissen bereit, wie wir sie nach jeder Wahl von den Parteien erwarten, wir wären auch nur selten bereit, uns am Tage nach dem größten Streit plötzlich friedlich und nach Gemeinsamkeiten suchend, mit denen zusammenzusetzen, die uns gestern noch unseren größten Erfolg streitig gemacht haben.
Es ist die größte menschliche Leistung der politisch Verantwortlichen, das immer aufs Neue zu schaffen. Egal, wer in den nächsten Tagen mit wem in Hessen zu einer Eingung kommt, sie haben meine Hochachtung. Schade ist, dass sensations- und konfliktversessene Journalisten diesen Politikern dann wieder Zitate aus dem Wahlkampf um die Ohren hauen werden – und damit für die weitere Entfremdung zwischen Volk und Politik verantwortlich sind.
Für Links auf diesen Artikel bitte wegen der Umlaut-Domain die folgende Adresse kopieren:
http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2008/01/29/nach-der-wahl-ist-alles-anders/
am 29. Januar 2008 um 18:44
Das hast du grundsätzlich völlig richtig erklärt. Aber die politische Identität einer Person oder Partei definiert sich natürlich nicht zwangsläufig immer über die genau entgegengesetzte Meinung gegenüber dem politischen Gegner. Man darf auch im Wahlkampf schon einer Meinung sein – solange die Meinung klar als Überzeugung und nicht als Stimmfang ersichtlich ist. Genau da hat die Politik ein Glaubwürdigkeitsproblem!
am 30. Januar 2008 um 09:18
Die Argumentation in der Öffentlichkeit ist dann aber häufig so, dass bei zu großer Übereinstimmung im Wahlkampf über die Ununterscheidbarkeit der Parteien geschimpft wird. Wer nicht zuspitzt, wird nicht gehört, wer vielschichtig argumentiert und verschiedene Seiten eines Problems aufzeigt, wird nicht verstanden.
Ein typisches Beispiel war für mich seinerzeit das „Fernsehduell“ zwischen Schröder und Stoiber. Es ging um Irak, seinerzeit wusste noch niemand, ob Hussein nun Massenvernichtungswaffen hat oder nicht. Schröder sagte immer nur „Wir sind gegen einen Angriff und werden uns nicht beteiligen“ während Stoiber versuchte, die Komplexität der Situation darzustellen, etwa so: „Wenn sich herausstellt, dass Sadam Hussein tatsächlich Massenvernichtungswaffen besitzt, muss der Druck erhöht werden und militärische Drohungen sind nur glaubwürdig, wenn man auch bereit ist, sie umzusetzen“
Schröders Vorgehen war erfolgreich, Stoibers nicht. Man hat ihm vorgeworfen, sich nicht klar positionieren zu wollen.
Ich denke nicht, dass die Menschen im Wahlkampf so Sätze hören wollen wie: „Wir sind eigentlich dieser Meinung, aber wenn wir mit denen koalieren müssen, würden wir da Kompromisse machen, wenn wir mit den anderen koalieren, würden wir eher an jener Stelle kompromissbereit sein.“
am 30. Januar 2008 um 11:06
Also mit dieser Aussage hast Du dich m.E. nach sauber aus dem Fenster gelehnt, allerdings ohne Netz und Halteseil. Da braucht es ja nur noch den berühmten Stups mit dem Zeigefinger
In meinen getrübten Augen hast Du das wirklich nett an den Gegebenheiten vorbei definiert. Aber wenn Du magst könnten wir ja mal schauen ob wir, durch eine nette Diskussion der differierenden Ansichten wie Erkenntnisse, die Grenzen dieses Blogs ausreizen können.
Gruß
am 30. Januar 2008 um 11:49
Nur zu, solange die Diskussion sachlich bleibt! Zur Diskussion differierender Ansichten ist dieses Blog u.A. da.
am 30. Januar 2008 um 12:35
Hatte da mal was vorbereitet
Zunächst einmal definiert nicht der Berufspolitiker sein Tun und Handeln, sondern das Programm seiner Partei. Selbst redend kann er hierauf seinen persönlichen Einfluss ausüben, aber eben auch nur bis zu einem bestimmten Punkt. Der Stellenwert dieses Punktes ist wiederum extrem stark von dem Gemenge aus dessen Überzeugungskraft, Charakter und den rhetorischen Fähigkeiten abhängig.
Eine gewisse Verschiedenartigkeit ist daher eher zufällig. Genau das ist es ja, was die sog. Linke der SPD so gerne vorwirft. Dies wohlgemerkt obwohl namhafte Genossen der aktuellen Linken, den damaligen Parteiprogrammen nicht nur zugestimmt, sondern an deren Entstehung beteiligt waren.
Die Presse (diesmal nicht als Verallgemeinerung, sondern als Faktor gemeint) ist der absolut entscheidende Faktor, nicht die Parteien, nicht die Politiker in Person. Schon seit Gevatter Adenauer gewinnen keine Parteien mehr Wahlen, sondern deren PR-Abteilungen. Selbige wiederum systematisch daran arbeiten eine tagesaktuell wählbare Gruppe mit nähe zu einer bestimmten Gruppe darzustellen, welche laut den hier erarbeiteten Umfragen und Analysen, als eine tragfähige Mehrheit angesehen wird.
Wenn Du dich in einer ruhigen Minute mit dem alten SPD Programm und dem aktuellen CDU/CSU Programm auseinander setzt, wirst Du überrascht sein wie extrem sich diese ähneln.
Interessant hierbei ist in Summe die Art und Weise der Entstehung der Ursache (Parteiprogramm) und der Wirkung (Tagespolitik). Auch hier hilft wieder der Blick in die Vergangenheit. Seit dem „Kohlputsch“ 1982, näherte sich die SPD auf Wunsch ihrer eigenen Basis (sprich deren Mitgliedern) in Zielen und Vorgehensweise derart stark an die CDU/CSU an, dass es vor dem Fall des „Imperators“ 1998 keinerlei echte Debatte innerhalb der Bevölkerung gab, ob die SPD nach 16 Jahren Opposition dazu in der Lage wäre die Regierungsgeschäfte zu übernehmen. Damals wurde in den Medien den eher konservativen Kräften in Deutschland deutlich signalisiert, dass die SPD sich aus eigenen Stücken derart an die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ziele der CDU angenähert hatte, dass sie für eben diese wählbar wurde. Hätte sich die SPD damals öffentlich zu ihren traditionellen Werten bekannt, hätten sie trotz Kohls Fehltritt keine Chance in der Bevölkerung zur Mehrheitsbildung gehabt. Nun, und Schröder hat dies nicht nur klar erkannt, sondern diese Annäherung noch weiter vorangetrieben.
Erst als eine winzige traditionsverhaftete Splittergruppe aus den Reihen der SPD den Mut fand diesen Umstand beim Namen zu nennen, kam die von dir dargestellte Kehrtwende, der Wille zur Differenzierung. Allerdings auch wieder nur von Seiten der SPD, die ja durch ihr eigenes Fehlverhalten, an der linken Flanke eine immer einflussreichere Daseinskonkurrenz erhielt. Vergleiche diesen Prozess ruhig einmal mit dem Aufkommen der nationalistischen Parteien. Die Inhalte von deren Programmen waren anfänglich auch nichts weiter, als die überspitzte Besinnung auf konservative Kerngedanken. Theodor Waigel wollte damals das Schicksal der SPD nicht teilen und stellte schon früh fest:
„Rechts neben der CSU gibt es im Kabinett keinen Platz mehr!“
am 30. Januar 2008 um 14:03
Hallo Michael, ich sehe – ehrlich gesagt – nicht, wo deine und meine Argumentation sich widersprechen, eher ergänzen sie sich doch? Ich denke, wir beleuchten den gleichen Gegenstand, nur von verschiedenen Seiten. Natürlich sieht er dann jeweils auch etwas anders aus.
am 30. Januar 2008 um 16:05
Hallo Jörg,
klär mich bitte auf, wenn ich da was falsch verstanden habe. In deinem Artikel stellst Du den Sachverhalt so dar, als ob ein Vorsatz zur politischen Differenzierung seitens entweder der Person Berufspolitiker, seitens der Organisation Partei oder aber durch den Wähler existiert.
Mir ging es darum darzustellen, dass dies so weder funktioniert, noch systembedingt funktionieren kann.
Der Wähler will nicht im Sinn der Sache Wählen (also zwischen Audi und Toyota), er will seine Singularen Interessen gewahrt wissen. Er erwartet keine differente Positionierung der Personen die er durch seine Stimme ermächtigt. Er kennt seine Ziele im wesentlichen. Wessen Name also auf der Partei steht, die diese Interessen am ehesten umsetzen wird, der gibt er seine Stimme. Der Prozess der Ermächtigung zur Umsetzung, ist eben extrem different zum Prozess der Auswahl. Genau das ist ja das Kernproblem. Der Wähler will eine Person zur Handlung ermächtigen von der er glaubt sie äußere die Interessen der Partei (gut Sympathie spielt auch eine gewisse Rolle):
„Ja die Frau XYZ von der ZYX Partei die ist eine Nette, der gebe ich meine Stimme.“
In Wirklichkeit ermächtigt er aber einzig einen eingetragnen Verein mit Satzung (auch Partei genannt), zur Umsetzung von dessen im Vorfeld beschlossenen Ideenkonzept/Parteiprogramm. Der Politiker selbst stellt jedoch nicht deren Wesen, sondern möglichst nur sich selbst dar. Er will beim Wähler möglichst populär/bekannt sein. Denn was dem Wähler noch immer nicht bewusst ist, ist der Umstand, dass Berufspolitiker einzig durch ihre Popularität beim Publikum ihren Stellenwert innerhalb des eigenen Vereins/Partei sichern können. Einzig deshalb verspricht er alles was das Publikum versprochen haben will. Zur Not eben auch genau das, was seine Mitbewerber aus anderen Vereinen auch versprechen (nur mit anderen Worten). Daher kann in diesem Zusammenhang einzig von einer einseitigen (wenn auch nur temporären), vorsätzlich irreführenden Täuschung der Wähler, über die Ziele der Partei, die Rede sein. Eine Profilierung in deinem Sinn (Abstand/Unterschied der Kandidaten zur Differenzierung, guter Bulle böser Bulle) ist also sekundär und zufällig.
Darüber hinaus erstaunt es mich ein wenig, dass Du unser politisches System wie auch dessen Protagonisten auf der einen Seite eher blauäugig verharmlost. Und auf der anderen Seite das Publikum/den Wähler als Opfer der eigenen Tat darstellst.
Lügende Politiker, Parteien die Ihre Programme in den Kernaussagen ändern, wie es gerade zur Situation passt und nicht zuletzt der Verrat an der demokratischen Idee schlechthin: die große Koalition. All das weist nur auf einen einzigen Umstand hin. Die Parteien und Politiker sind machtbesessene Despoten, die bereit sind jedes noch halbwegs legale Mittel einsetzen, um ihre Macht auf- oder auszubauen bzw. zu stabilisieren.
Stell dir doch in diesem Zusammenhang einmal vor Du würdest, im Rahmen deiner aktuellen Tätigkeit, einem Kunden der mit seiner Auftragsvergabe noch zwischen Dir und einem anderen Auftragnehmer schwankt, das Blaue vom Himmel herab versprechen. Wie würde der Kunde wohl reagieren, wenn Du nach der hierdurch erlangten Auftragserteilung nicht einmal an die Leistungen deines ausgestochenen Mitbewerbers heran kommst? Oder besser noch, zur Überraschung des Auftraggebers, plötzlich die Mitarbeiter deines ehemaligen Mitbewerbers in der Tür stehen und schlicht feststellen:
„Wir haben uns dann doch noch darauf geeinigt, den Auftrag gemeinsam auszuführen.“
Also das sich da die Auftraggeber von den Kunden entfremden, ist doch wohl klar oder?
Gruß
am 30. Januar 2008 um 20:50
Zwei weitere sehr wichtige Punkte, die meiner Meinung nach angesprochen wurden, sind der Einfluß der Presse und auch die Sympathie – und damit sind wir beim größten Problem der Politik: der Glaubwürdigkeit!
Unabhängig davon, ob sich eine Partei klar abgrenzt oder inhaltlich einer anderen Partei annähert – der mündige Bürger von heute nimmt ihr (bzw. den Kandidaten) einfach nicht mehr ab, das es sich auch wirklich um die Überzeugung desjenigen handelt. Wenn ein Politiker heutzutage einen Vorschlag macht, egal wie sinnvoll, der Bürger vermutet sofort das dieser nur zur eigenen Profilierung dient.
Im gleichen Atemzug (der sich natürlich über mehrere Jahrzehnte hingezogen hat) haben die Medien immer mehr an Bedeutung gewonnen, in der Form das sie die Wähler gezielt beeinflussen. Ich bin noch nicht so alt, das ich das glaubhaft bezeugen könnte – aber der Sympathiewert eines Kandidaten war vermutlich auch schön früher ähnlich wichtig.
Die Tendenz kann mir in Bezug auf die Zukunft schon Angst machen. Während die Linkspartei hier die Zwei-Parteien-Mehrheiten versperrt, erfüllt sie eine einzige wichtige Ausfgabe: sie dient als Sammelbecken für vom Sozialstaat enttäuschte Protestwähler, die sich sonst vielleicht einer rechten Partei angeschlossen hätten. Das wiederum liegt an der langen Phase der Enttäuschung aufgrund des schrittweisen Verlustes der Glaubwürdigkeit der etablierten Parteien.
am 30. Januar 2008 um 21:37
@Jörg
Schöner Artikel! Wobei ich glaube, vor der Wahl „Hüh“, nach der Wahl „Hott“, das vermerken auch Wähler außerhalb deutscher Landen als nicht so toll (jedoch „normal“). Konrad Adenauer hat das in seine unvergleichen Worte gepackt, will heißen: „Macht aber nix!“
Danke für Deinen Schlussabsatz – er ergänzt meinen Kommentar zu „Regierbarkeit und Demokratie“ noch um einen wesentlichen Punkt: Medien! (sind aber wieder: Menschen! Sowohl die [Medien-]macher als auch die -konsumenten, beide sind geeint im „Homo homini …“)
Letztendlich beschreibst Du hier erneut wie die „Krone der Schöpfung“ funktioniert!
Beste Grüße
Vogel
Danke auch für die guten Argumente der Mitdiskutanten. Leider gilt auch hier: „Macht aber nix!“ Es hat mE keinen Zweck, dies alles im Detail zu diskutieren. Das Kernproblem ist und bleibt der Mensch! Seiner Natur muss mehr Rechnung getragen werden! Ich will mich nicht um eine Idee zu diesem Postulat herumdrücken: Die Entscheidung (heutiger Stand der Menschen in der „entwickelten Welt“ (West-)Europa, USA, Kanada, Australien, Neuseeland) fällt wohl zwischen entweder „Demokratur“ (mehr Lenkung, weniger Freiheit für alle) oder „freier Demokratie“ (weniger Lenkung, mehr Freiheit – in der Konsequenz: für die die diese sich leisten können, weniger Freiheit für den Rest).
am 31. Januar 2008 um 01:47
@romanmoeller
„Ich bin noch nicht so alt, das ich das glaubhaft bezeugen könnte – aber der Sympathiewert eines Kandidaten war vermutlich auch schön früher ähnlich wichtig.“
Das ist zwar so richtig, aber in der Vergangenheit empfanden die Wähler Personen als sympathisch, welche glaubhaft versichern konnten die Ziele der Partei zu erreichen.
Nunmehr kämpfen Profi-Politiker um Popularität, die sie gegen die Ziele ihrer eigenen Partei ausspielen. Das beste Beispiel ist hier wirklich Schröder. Über Jahre hinweg gelang es diesem „sympathischen“ Einzeltäter die gesamte Organisation SPD zu diktieren. Nur das dies weder Ziel des veralteten Parteiengesetzes noch das des Vereinsrechtes ist. Schröder hat den Spieß glatt umgedreht und seine Mitglieder teils ganz offen erpresst:
„Ihr wisst wen die Deutschen als Kanzler haben wollen, also zieht mit oder geht in die Opposition.“
Und da kommt dann leider das von Vogel so häufig beschriebene Problem in‘s Spiel, dass der autorisierende Bürger noch nicht einmal weiss, dass er durch sein absurdes Verhalten ein Gesicht zu wählen, den Betrug an sich selbst überhaupt erst anstößt.
@Vogel:
„Das Kernproblem ist und bleibt der Mensch! Seiner Natur muss mehr Rechnung getragen werden!“
Definiere das bitte präziser…
Welche Alternative hältst Du unter den gegebenen Umständen für gangbar?
Was müsste deiner Meinung nach geschehen um eine nachhaltige Veränderung herbei zu führen?
Gruß
am 31. Januar 2008 um 15:23
Hi Michael,
definiert ist mE hinreichend: Der Mensch ist überfordert von und mit den Problemen, die er selber (tagtäglich) schafft. Ich möchte mich, zur Illustrierung, auf „äußere Probleme“, da läßt es sich mE am einfachsten darstellen, beschränken. Beispiel: Im Paris des 19ten Jahrhunderts soll es geheißen haben: „Wenn das so weiter geht mit dem Verkehr, wird Paris eines Tages im Pferdemist ersticken!“ Nun, Paris ist nicht im Pferdemist erstickt …
Jede technologische Lösung hebt die Probleme nur auf eine höhere Stufe, nichts weiter. Das bedeutet: Ein Einzelner verbraucht (benötigt) für sich und alle seine „technologischen“ Helferlein für seine täglich Existenz (und das was er darunter versteht!) die Resourcen, die „früher“ von Vielen verbraucht (gebraucht) worden sind. Viele Menschen glauben z. B. dass Energie „hergestellt“ werden würde. Das ist aber nicht der Fall, wie Du weißt. Energie wird lediglich aus eine Form in eine andere Form gebracht – z. B. Fallenergie von Wasser durch Drehen der Turbine, des Generators in Strom umgewandelt und zur Verfügung gestellt – und dann wiederum, durch den „Verbrauch“ in anderere Form, z. B. Bewegung, umgeformt (Verlustleistung & Co. lassen wir ‚mal außen vor).
Usw. usf. das Ende, irgendwann einmal, sieht dann so aus: „Auftrag erfüllt! Erde untertan gemacht! Sieht jetzt aus wie der Mond! *hackenklapp, salutier*“
Bei allen „inneren Problemen“ – Mensch im Umgang mit Mensch und Schöpfung – läuft’s analog. Nicht umsonst sagt man: Am Umgang mit den Tieren kann man das Wesen des Menschen erkennen! Wohl war! („Homo homini lupus est!“)
Gangbare Alternative: Den (hoffnungslosen) Versuch unternehmen „den Menschen“ klar zu machen, dass das Leben viel einfacher werden muss! Je „besser“ (sprich: bequemer, moderner) das Leben für Alle (wen wollte man ausschließen?) ist (wird), umso schneller geht’s zu Ende! Nicht morgen, auch nicht übermorgen, aber bald!
Reicht’s Dir? Kopf nicht hängen lassen!
Beste Grüße
Vogel
am 31. Januar 2008 um 17:00
„Das Kernproblem ist und bleibt der Mensch! Seiner Natur muss mehr Rechnung getragen werden!“
Ganz einfache Sache. Die Natur des Menschen besteht darin, das er sich selbst der Nächste ist. Der hier vielfach genannte Satz „Macht aber nix!“ wäre in dieser Intention allerdings unzutreffend, da dies genau die Ursache ist. Das erklärt auch, das dieses Problem nicht zu lösen ist, da die „Natur“ des Menschen schwer bis gar nicht beeinflußbar ist.
Jeder Politiker, jede Partei, jeder Wähler denkt nur an seinen eigenen Vorteil, niemand an das Gemeindewohl. Der Politiker und die Partei wollen Macht und in der Öffentlichkeit ein höheres Ansehen, der Wähler denkt bei jedem Vorschlag nur: bringt das mir einen Vorteil?
Solange dieses Denken in den Köpfen vorherrscht, wird sich am Problem nichts ändern. Wenn ich mir jetzt nochmal den ursprünglichen Beitrag von Jörg durchlese, frage ich mich kurz: sind wir schon zu weit vom Thema abgeschweift? Ich sage: Nein! Denn dieses Denken ist bei näherem Hinsehen genau die Ursache für das Problem, das Jörg in seinem ursprünglichen Beitrag beschreibt. Genau genommen ist das die Ursache für sämtliche gesellschaftlichen Probleme.
am 31. Januar 2008 um 17:16
@Vogel:
„Was müsste deiner Meinung nach geschehen um eine nachhaltige Veränderung herbei zu führen?“
Die Lösung, es gibt sie immer. Nur weil der Geist des Propagierenden gerade nicht weit genug reicht, kann eine realisierbare Lösung, welche nicht die Ausrottung dieser Spezies als Kern hat, nicht ausgeschlossen werden. Also her damit, wenn ich bitten darf. Und nicht drumherum geschwafelt, wie die Katz die sich des Breies nicht bedienen will, weil zu heiss er ihr erscheinen mag!
Gruß
am 31. Januar 2008 um 17:17
@romanmoeller:
Ach ja, wem sagst Du das?
In genau diesem Sinne,
S.P.Q.C.
am 31. Januar 2008 um 17:21
@romanmoeller,
„Der Mensch ist schlecht, jeder denkt an sich, nur ich denk‘ an mich!“
Du hast’s verstanden!
„Macht aber nix!“ ist klar ironisch, macht aber nix!
Wahrscheinlich (!?) gar nicht beeinflussbar (Paul D. MacLean: Das dreieinige Gehirn und viele weitere Wissenschaftler, die herausgefunden haben [wollen], dass der Mensch in seinem Verhalten determiniert ist durch seine Abstammung. Und: „alles nur Chemie“)
Wenn also Dein erster Absatz stimmt (ich meine: Ja!), folgt logisch was Du im zweiten Absatz sagst – und ist typisch menschlich, dass dann der 1. Satz, dritter Absatz, im Ansatz unlogisch ist (das wird immer so bleiben!). Vermutlich ist das bei Dir wie bei mir (bei allen?) der unbewusste Reflex: „Kann doch nicht sein! Der Mensch die Krone …!“, da muss doch ‚was zu machen sein! Du kriegst dann ja auch wieder die Kurve; und ich bin Deiner Meinung: Gehört voll zum Thema!
Was mein Ding ist, seit mind. 35 Jahren: Tue Gutes (im Kleinen, in Deiner unmittelbaren Umgebung) und rede darüber! Gelingt nicht immer, leider, je Älter man wird, läßt’s auch ‚n bisschen nach, die Narben schmerzen!
Beste Grüße
Vogel
am 31. Januar 2008 um 17:41
@Michael,
Kollesche, Du machst es Dir zu einfach: Da haben sich schon Generationen von Philosophen und sonstige Eierköppe den selben zerbrochen … und Du machst es Dir gaaanz einfach … und fragst mich! Zuviel der Ehre! *stolzschwell*
Ich hab‘ keine Lösung, außer dem was ich immer wiederhole, und jetzt sag ich’s ganz platt: Zurück in die Steinzeit! Platter geht’s nimmer. Einen Punkt zwischen heute und damals, der Dir für Dich kommod genug erscheint, musst Du Dir schon selber suchen! Wachstum als l‘ art pour l‘ art, dto. Mobilität, Flexibilität, Freiheit, Wohlstand, Beqemlichkeit usw. ist – für diesen Planeten – schon längst über ein erträgliches Maß hinausgeschossen! Oder: Es gibt zu viele Menschen! Oder: Die Erde ist zu klein, auf zum X4711! (X4711? Der siebte Stern von links, der türkisgrüne!)
Beste Grüße
Vogel
PS.: Falls Du den noch nicht kennst, hab‘ ich von meinem Hausarzt: „Treffen sich zwei Planeten, der Eine zum Andern: Ui, Du siehst aber schlecht aus, biste krank!“ „Owei, und wie, ich fühl‘ mich zum Kotzen!“ „Was haste denn?“ „Ich hab‘ homo sapiens!“ „Och, dat kenn ich, dat geht vorbei!“
am 1. Februar 2008 um 14:48
@Vogel:
Das nenne ich keine Lösung, dass nenne ich Frustration resp. Resignation.
Wenn Du irgendwann einmal den Mut aufbringst den einen Schritt darüber hinaus zu wagen, sag Bescheid. Für Geister wie dich, wird in unseren Hallen immer ein Platz frei sein. Darauf mein Wort!
Vale
PS.: Kannst Du dich noch an die Geschichte des Mannes erinnern der dem Pferd des Kalifen das Singen beibringen wollte?
Hier eine nahe Abwandlung davon (konnte die Urversion nicht lokalisieren):
Das sprechende Pferd
Ein Mann fand einmal ein Pferd des Königs und behielt es, weil er nicht wusste, dass es dem König gehörte. Aber der König kam dahinter und ließ den Mann ins Gefängnis werfen. Wegen des vermeintlichen Diebstahls wollte der König den Mann hinrichten lassen. Der Mann aber versuchte dem König zu erklären, warum er das Pferd behalten hatte. Aber die Strafe wollte er gerne auf sich nehmen. Dann fragte er den König, ob er wisse, dass er dem Pferd das Sprechen beibringen könne. Dann wäre der König mit einem sprechenden Pferd noch etwas Besonderes. Dem König gefiel der Vorschlag, und er gab dem Mann ein Jahr Zeit für seine Bemühungen. – Die Freunde des Mannes hielten ihn für verrückt, so ein Wagnis einzugehen. Aber er antwortete: „Erstens lebe ich noch ein Jahr, zweitens könnte der König in dem Jahr sterben, drittens könnte die Welt in der Zeit untergehen, und viertens könnte ja das Pferd am Ende noch sprechen lernen!”
(Aus Axel Kühner: Hoffen wir das Beste, © Aussaat-Verlag, D-Neukirchen-Vluyn.
ISBN: 3-7615-1618-)
am 1. Februar 2008 um 14:55
Die allgemeinen Aspekte des Themas „Nach der Wahl ist alles anders“ sind oben sehr gut abgehandelt.
Einige kleine Anmerkungen speziell zur Wahl in Hessen will ich noch beisteuern.
In Hessen hat Koch endlich die lange verdiente Ohrfeige bekommen. Er ist nun zum dritten Male mit populistischen Sprüchen aus der untersten Kiste angetreten.
Die große Mehrheit der Bürger wünscht ganz offensichtlich eine konservative Politik mit sozialen Merkmalen. Zu dieser Mehrheit zähle auch ich mich. Die beiden großen Parteien decken diesen Wunsch auch ab, so daß ich meine Wahlentscheidung gar nicht am Programm festmachen kann, sondern mich mehr an den Personen orientiere.
Koch hat in den vergangenen Jahren gelogen, betrogen, sich die Taschen vollgestopft und Pfründe an seine Freunde verteilt. In Bezug auf die Minderheitenprobleme, die wir wirklich haben, hat er nichts getan.
Er hat also Ohrfeigen bekommen, weil er nunmehr zum 3. Male mit nichts weiter als einem Sack voller Lügen angetreten ist. Die Ohrfeigen hat er sich unredlich verdient, hoffentlich verschwindet er bald in der Versenkung.
am 1. Februar 2008 um 16:19
@Michael: Die Geschichte ist kein Märchen, das ist die Geschichte von dem sächsischen Alchimisten Böttcher, der behauptet hatte, Gold machen zu können. Da ihm das nicht gelang, hat er dann eben Porzellan gemacht.
@Karl: Der spannenste Teil deines Kommentars ist für mich: „Die große Mehrheit der Bürger wünscht ganz offensichtlich eine konservative Politik mit sozialen Merkmalen. Zu dieser Mehrheit zähle auch ich mich. Die beiden großen Parteien decken diesen Wunsch auch ab, so daß ich meine Wahlentscheidung gar nicht am Programm festmachen kann, sondern mich mehr an den Personen orientiere.“ Erstens wegen der Definition „konservative Politik mit sozialen Merkmalen“, zweitens, weil du diese sowohl bei der CDU als auch bei der SPD siehst und weil du drittens eben deshalb nach Personen gehst, nach dem Motto: „Die richtige Politik machen beide, aber ich will nicht von jedem x-Beliebigen regiert werden“. Richtig?
am 1. Februar 2008 um 16:26
@Jörg:
Gibt es die Geschichte um Böttcher als Quelltext, und wenn ja wo?
Gruß
am 1. Februar 2008 um 16:33
@Michael: Ich hatte den Namen etwas falsch geschrieben, sorry, es geht um diesen hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Friedrich_B%C3%B6ttger
am 1. Februar 2008 um 17:19
@Jörg:
Ja gut, von dieser Sorte Mensch gibt es ja nun auch wieder genug. Aber wer hat hierzu die o.g. Ableitung verfasst (zumindest die erste belegte)? Hast Du da eine Idee?
Arbeite halt gern mit Quellmaterial
Gruß
am 1. Februar 2008 um 17:32
@Michael
1. Mein Lieber, ich hab‘ Dir a) gesagt, dass ich nicht die Kompetenz habe, die Probleme der Menschheit zu lösen, habe Dir aber b) 3 mögliche Lösungen angeboten (nicht gefunden? weitersuchen!)
2. Frustration? Resignation? Zurück zu Koch (respektive zu den Politikern vor und nach der Wahl – den Ausgangspunkt der Diskussion): Ab und zu funktionierts doch ganz gut und es passieren die richtigen Dinge! Nachhaltigkeit? Schaun merr ma! Die aktuelle Diskussion in der CDU schlägt keine Purzelbäume, neiin, die schlägt Salti!
3. Lass‘ Dich doch nur ‚mal als eine mögliche Hypothese auf MacLean & Co. ein. Was dann?
Vale Du auch
Vogel
PS.: Das Märchen kenn‘ ich nicht, ist aber schön
(auch wenn Du’s erfunden hättest oder vielleicht sogar hast?). Ist auch typisch menschlich: Die Einen: „Um Gotteswillen … der König …“ Der Andere: „Schaun merr ma!“ Übersetzt und fortgeschrieben: Ich mach‘ erst‘mal, dann guck‘ ich, Donnerwetter: Iss ja doll, ich hab‘ doch nur ‚n bisschen an der einen Schraube gedreht, der ganz kleinen da unten – und jetzt ist da oben alles runtergefallen! Das hab‘ ich aber nicht gewollt [das jetzt für ‚n bisschen Biosprit die letzten indonesischen Urwäler gebrandrodet werden für die Palmöl-Plantagen …]! Na gut, ist ja auch ohne [Urwald] ganz schön [hier]). Technologische Lösungen heben das Problemniveau! – denkbare Lösung: Back to the roots!
am 1. Februar 2008 um 18:17
@Vogel:
Es mag dich wundern, aber unsere Ansichten ähneln uns offenbar sehr. Nur das mir klar geworden ist, dass das Ergeben in diese, weder meinen Kindern noch meinen Enkeln helfen wird.
Wir wirken im Hier und Jetzt, es ist an uns die Änderungen herbei zu führen, die unserem Nachwuchs die Chance einräumt, für die eigenen Fehler die Verantwortung zu übernehmen. Ich für meinen Teil habe eingesehen, dass wir extrem verantwortungslos handeln, wenn wir nicht wenigstens versuchen etwas zu Ändern.
Und ja, auch das kontinuierliche, aber vor allem wirkungsvolle, Beweisen von „Zurück zu den Wurzeln“ ist ein elementarer Bestandteil dessen. Manchmal ist ein wohl bedachter Schritt nach vorn, eben auch in anderer Hinsicht ein Schritt zurück. Aber man darf es nicht nur propagieren, man muss diese vermeintliche Irrationalität beweisen. Es greifbar, fühlbar machen. Gegen die Anstrengungen Derer, die am derzeitigen Modell weidlich Erträge erzielen.
Wie gesagt, die Tür steht offen, druchschreiten musst Du sie schon selbst
Vale
am 1. Februar 2008 um 18:30
Hi Michael,
weiß ich ja aus den verschiedenen Beiträge die Du schon geliefert und mit mir ausgetauscht hast.
nee, erstaunt mich nicht
Möglich Lösungsansätze hab‘ ich geliefert, in allen Beiträgen. Hier noch ‚mal in zwei anderen Sätzen zusammengefasst: Weg von der Technologiegläubigkeit („alles machbar“) hin zu: Mit dem Planeten leben, nicht gegen ihn!
Für den modernen Menschen (in unseren Breiten) ist der Planet nicht mehr Feind, wird es aber wieder werden, wenn wir so weiter machen.
Will hier, damit Jörg keine grauen Haare über „die zwei Trolle kriegt“
noch‘mal versuchen, den Bogen zurück zu schlagen. Ein bewussteres, langsameres, (umwelt-)verträglicheres Leben ist auch ein gutes Mittel gegen den im Thema angesprochenen Missstand! (3 s? Hm, sieht blöde aus, lass‘ ich aber!
)
Beste Grüße
Vogel
am 1. Februar 2008 um 18:59
Hi Vogel,
gut, Du hast ja Recht (zumindest was das mit dem Romtrollen angeht)!
Letzter Denkanstoss zur Umwelt:
Wenn es mir gelingt durch die Entwicklung von Technologien mit 100 ha 1 Mio. Menschen zu ernähren, anstatt wie früher mit 10.000, dann schone ich damit unser aller Umwelt. Die Forderung der von dir umschriebenen Geburtenkontrolle (und da schließe auch ich den Bogen zum Hauptthema), sollte mal jemand Herrn Koch in‘s Ohr flüstern. Oder besser noch gleich Frau Merkel. Dann könnte Jörg einen schönen Artikel über politischen Suizid verfassen, resp. wie man diesen plant und umsetzt
Wenn unser erstes Forum endlich online ist, hoffe ich dich dort anzutreffen. Mahnende Stimmen sind in Zeiten des technologischen freien Falls, sehr wichtig!
Auch an dich beste Grüße und Wünsche
Michael
am 1. Februar 2008 um 21:46
Auch ich muß nochmal was zu folgendem Satz von Karl sagen:
„Die große Mehrheit der Bürger wünscht ganz offensichtlich eine konservative Politik mit sozialen Merkmalen. Zu dieser Mehrheit zähle auch ich mich. Die beiden großen Parteien decken diesen Wunsch auch ab, so daß ich meine Wahlentscheidung gar nicht am Programm festmachen kann, sondern mich mehr an den Personen orientiere.“
Das trifft wunderbar den Kern der Sache – konservative Politik mit sozialen Merkmalen. Man könnte es auch „Volksparteien-Einheitsbrei“ nennen. Oder man nennt es „die Mitte“. Das ist ein Begriff der dehnbar ist wie Kaugummi und den beide Volksparteien pausenlos produzieren. Wenn vor dem Wähler abgerechnet wird (vor Wahlen), dann versucht sich das dann jeder zu seinen Gunsten schönzureden.
Wenn mal jemand inhaltlich von diesem Schema abweicht, ist es entweder radikal oder nicht finanzierbar. Es herrscht also eine ziemliche Ideenlosigkeit in der Politik, was dann wieder zu einer nachvollziehbaren Lustlosigkeit (= Politikverdrossenheit) beim Volke führt. Da ist es auch kein Wunder, wenn die eigentlich programmatische Wahl (ist nicht jede Wahl grundsätzlich eine „Richtungswahl“?) mehr und mehr zur Personenwahl verkommt!
am 2. Februar 2008 um 14:50
Hi Michael,
– bäh, ohne mich, die spinnen die Italier)! Die Menschen und wie sie funktionieren, das passt ja grundsätzlich zu vielen Themen und man kann da immer wieder – an vielleicht noch besseren Beispielen – drauf reflektieren.
! Wenn Du also mit 100 ha schaffst, wofür vorher viele ha mehr gebraucht wurden, dann hast Du an anderer Stelle einen entsprechenden Preis gezahlt (s. o. #23, Nachsatz: … Donnerwetter: …)! Merk’s Dir endlich: Technologische Lösungen erhöhen nur das Problemniveau! Sonst nix!! Sonst gar nix!!! Nada!!!!
1. Wir hören also an dieser Stelle auf mit dem „Romtrollen“ (? alle Trolle nach Rom?
2. So, Du willst Dein Nichtverstehen also weiter kultivieren? Na, dann muss ich Dich doch noch ‚mal über’s Knie legen
Leider fallen Ursache und Wirkung „weit genug“ auseinander (das war jetzt ironisch!
), so dass die „Krone …“ das nicht kapieren kann! Wer hätte auch denken können, als das Anthropozän um 1800 so richtig in Schwung kam (> als 1 Mrd. Menschen, beginnende Industriealisierung) „schon“ 300+ Jahre später der Planet aus den Fugen platzt und die erste anthropogene Klimakatastrophe ad porta steht?
So, Michael un nu? Kommste mit nach X4711, dem türkisgrünen, dem siebten Stern von links?
Beste Grüße
Vogel
am 2. Februar 2008 um 16:17
@Vogel:
Tja, da kannst Du mal sehen, wo die Unterschiede liegen. Eine erfolgreiche Spezies wird sich immer ausbreiten, egal welchen Namen sie trägt und wie ihr Erscheinen ist. Er hier hat erkannt was es braucht um sinnvolle Reformen herbei zu führen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Nicholas_Negroponte
Informationskultur
Im übrigen ist die Romtrollerei vor allem Ausdruck unseres Spieltriebes. Ich hoffe ich werde niemals derart erwachsen wie Du. Davon mal ganz abgesehen laufe ich nicht vor Problemen davon, ich löse sie,…alle,…immer!
In diesem Sinne
S.P.Q.C.
am 2. Februar 2008 um 16:28
@Jörg:
Eine empirische Erfahrung zum Thema:
Ich kenne mehrere Diplomaten und einige Politiker (auch namhafte) persönlich. Ein ehemaliger Dip. und ein aktiver Pol., sind mit mir in erster Linie verwandt. Und eines haben sie allesamt gemeinsam. Sie verachten das Publikum, für das was es ist. Es liegt in der Natur der Sache selbst. Diese Menschen haben keinerlei Zeit um ihre sozialen Kontakte substanziell zu pflegen. Die Informationen die sie über sich selbst von aussen wahrnehmen wird, je höher sie im System steigen, immer kritischer und teils polemischer. Es ist egal welche Namen sie tragen, egal welchem Verein sie angehören, egal welche Überzeugungen sie vertraten oder vertreten und absolut egal wie motiviert sie einmal ihren Weg in das System begannen. Ab einem bestimmten Punkt verachten sie alle wenigstens ihren Souverän, oftmals sogar sich selbst.
Gruß
am 3. Februar 2008 um 16:05
Hallo Michael,
das deckt sich mit meinen Kenntnissen. Es sind letztlich bedauernswerte Gestalten.
am 4. Februar 2008 um 00:15
Hi Michael,
C2H5OH hilft ja bekanntlich nicht! Trotzdem: Meine Probleme löse ich auch, immer: Ob das Bild höher hängen soll oder tiefer, das krieg ich schon hin. 
komme noch‘mal auf Deine #29 zurück (heute ist ja Super-Bowl, die Nacht gibt viel Zeit her).
1. OLPC ist per se ’ne gute Sache, zweifellos. Hoffentlich sind die Inhalt das auch, wenigstens ideologiefrei sollten die sein! Zweiter Wermutstropfen: Es werden noch‘n paar Millionen Menschen mehr an den Microsoft-Tropf gehängt! Bin ‚mal (wohlwollend) gespannt, wie das Projekt am Ende ausgestaltet und durchgezogen wird.
2. Ja, die Spezies „Krone …“ ist überaus erfolgreich, Sie wird’s schaffen „… bis die Erde aussieht wie der Mond!“ Sie wird’s (wohl) schaffen!
3. Ich bin noch jung (wie Du weißt erst 58, d. h.: immer 29!), was Du ansprichst ist der reichhaltige Erfahrungsschatz. Ich müsste Pillen nehmen, um den aus der Birne zu kriegen! Meinst Du das könnte klappen?
4. Das meinst Du aber nicht, oder? Wenn Du sagst:
frage ich also zurück: Wieso liegst Du immer noch auf‘m Chaiselongue statt am East River zu sitzen?
zu #30, #31
Stimmt, zwei meiner Kids waren/sind als 19 – 24-jährige im Stadtrat, das geht schon auf unterster Ebene los. Man muss sich fragen: Woher kommt das? Was kann man dagegen tun? Wer sind die besseren Menschen, die an die Stelle treten?
Grüße
Vogel
am 4. Februar 2008 um 10:45
@Vogel:
1. Ich weiss nicht ob Negroponte a) den Spiessruhtenlauf bis zum Schluss durchhält, und b) was an dessen Ende stehen wird. Aber es ist ein Anfang. Ein Fingerzeig in die richtige Richtung. Nicht das auch nur ein deutsches Kind von diesem Projekt profitieren wird. Das ist natürlich zu viel verlangt. Aber deshalb haben wir ja mit unserer Arbeit begonnen, gelle? Das Ziel ist es durch überprüfbare Methoden gesicherte Informationen zu generieren, die es den Schadenverursachern im Lauf der Zeit unmöglich machen, sich weiterhin aus der Verantwortung für ihr Tun und Handel zu stehlen. Gute Ansätze hierzu sind ja z.B. das Meinprof.de Projekt (das war ein Kampf, das sag ich dir. Da haben sich einige Professoren gewunden, was das Zeug hielt). Wie man sieht, hat sich am Ende doch die richtigere Seite durchgesetzt. Es geht also nach wie vor:
-Problem erkennen
-Problem analysieren
-Lösungsvorschläge erarbeiten
-Vorschläge zur Diskussion stellen
-Durch die Selektion der Argumente Pro/Contra Substanz/Modell schaffen
-Modell öffentlichkeitskompatibel darstellen/präsentieren
-Umsetzung des Modells anstreben
2. Nach wie vor, siehst Du das in meinen Augen viel zu einseitig. Davon mal ganz abgesehen honorierst Du dadurch auch nicht unbedingt die Kräfte, denen dies wohl bewusst ist, die sich aber entschlossen haben gegen kurzsichtige Menschen anzukämpfen. Schlussendlich befindet sich unsere eigene Spezies in einer Art Verdrängungswettbewerb. Und wie so häufig, werden jene sich durchsetzen welche sich nach den gegebenen Regeln am besten angepasst und entwickelt haben. Der Rest wird im Lauf der Generationen altersbedingt aussterben. Es ist eine Frage des Blickwinkels.
3. Ja manchmal wünsche ich mir auch bestimmte Speicherinhalte einfach löschen zu können. Aber es will einfach nicht klappen, es kommt immer alles wieder. Mitunter beneide ich Die „die da geistig arm sind“, sie können vergessen. Was das mit dem Alter angeht, wollte ich dir nicht zu sehr auf die Plattfüsse treten, aber ich mag es einfach nicht, wenn Menschen wie Du ihr Licht allzu sehr unter den Scheffel stellen, oder im Schrank verstecken. Wo soll man denn da die Motivation hernehmen, wenn man alles immer so finster sieht? Natürlich löst Du deine Probleme, sieht man wenn man lesen kann, an deinen Äusserungen
4. Also ganz so einfach ist das ja doch nicht. Wenn Du den ER meinst den ich erlebt habe (NY), dann sei festgestellt, dass ich ihn mag (also die Gegend und so). Ich würde viel darum geben meinem Nachwuchs zu zeigen was sich mir damals präsentierte. Das kann man einfach nicht mit Erzählungen vermitteln. Auf dem vermeintlichen Dach der Welt zu stehen (ESB) und das „Ende“ der Stadt nicht erkennen zu können, ja das Prägt. Das schafft geistigen Weitblick.
Zum Thema:
Das Vorgehensmodell ist der Kern des Problems. Die Masse Mensch erlaubt sich den Luxus ihre Probleme von einigen Wenigen lösen zu lassen. Da aber nun jeder ganz doll stolz darauf ist individuell zu sein (also eine eigene Medien-Meinung zu haben), kann die umgesetzte Lösung einzelner Probleme, nicht alle und jeden gleichermaßen zufrieden stellen. Ergo muss das Bewusstsein her, dass sich unsere Spezies, mit zunehmender Komplexität der Vorgänge, es sich nicht erlauben kann weiterhin so zu verfahren. Was im Sinne der o.g. Anpassung bedeutet, dass wir unser Augenmerk darauf richten sollten, dass ein jeder lernt die Verantwortung für sein Tun und Handeln zu übernehmen (und dies bitte ohne religiöse oder gar sektenartige Einrichtungen). Schwierig ist in diesem Zusammenhang lediglich, dass die westlichen Bildungssysteme (und da sind sie sich wirklich alle mal, unter dem berühmten kaufmännischen Doppelstrich, sehr ähnlich), aktuell die Verneinung von Verantwortungübernahme (Ächz) produzieren. Im Zuge der sog. Spezialisierung wird mehr Wert auf Gebietstiefe gelegt, als auf generelle Lebensinhalte.
Und ja, auch wenn unser Name etwas anderes suggeriert: Genau DAS wollen wir nachhaltig ändern.
Sehr tiefes fachspezifisches Wissen, muss nämlich nicht im Widerspruch zu sozialen, politischen und kaufmännischen Kompetenzen stehen. Nur wenn man mir mein Leben lang nichts anderes erzählt, dann glaube ich auch daran (nur das Glaube halt nichts mit Wissen zu tun hat).
Dummer Weise nutzt es nichts all das wieder und wieder lediglich zu propagieren. Wie Du, wenn Du da bist, wo ich denke das Du bist, sehr gut wissen solltest, muss man derart „neues“ bzw. „umwälzendes“ auch beweisen können.
Leider braucht es hierzu dann auch mehr als nur schlaue Worte. Es braucht Mut, Willenskraft und auch eine satte Priese Idealismus. Drei Dinge die in „Good old Germany“ nicht sehr weit verbreitet sind. Da währen wir in US sicher besser aufgehoben…
Grüße
PS: Wenn Du Bedenken hast, dass wir durch Nebendiskussionen Jörgs Blog zur Trollwiese machen, kannst Du ruhig diese spezielle Diskussion via Mail fortführen (ist gar nicht soooo unpraktisch, die Adresse ist bekannt).
am 4. Februar 2008 um 15:34
Ich verfolge Eure „Nebendiskussion“ mit Interesse und wen sie nicht interessiert, der nimmt sie sicher auch nicht wahr, nicht wahr?
am 4. Februar 2008 um 17:33
@Jörg:
Stimmt schon, aber dennoch bist Du hier der Herr des Hauses
Ach übrigens „Off Topic“: In welche Richtung soll denn dein „Weg des Denkens“ so in etwa gehen?
Gruß