Jörg Friedrich


Konstantin Wecker im Konzert

23. Januar 2008 Kategorie: Kultur, Privates |

Genug ist nicht genug,
ich laß mich nicht belügen.
Schon Schweigen ist Betrug,
genug kann nie genügen.

Es war wahrscheilich die erste bayrische Stimme, die ich bewusst gehört habe – und seit dem kann mir das Bayrische garnicht ganz unsymphatisch sein.

Ende der 80er wird es gewesen sein, als ich meine erste LP mit Liedern von Wecker bekommen habe. Titel wie „Willy“ waren da drauf und eben dieses „Genug ist nicht genug“ – ein Lied, dessen Titel allein schon als Grundsatz für ein ganzes Leben reicht. Und jede einzelne Zeile setzt noch eins drauf.

Gestern sah ich ihn nun zum ersten Mal im Konzert.

Wecker war der zentrale Bezugspunkt meiner Abitur- und Studienzeit. Immer wenn es um Wahrhaftigkeit geht, und ums Ganze, dann fallen mir seine Worte wieder ein:

Komm, wir brechen morgen aus,
und dann stellen wir uns gegen den Wind.
Nur die Götter gehn zugrunde,
wenn wir endlich gottlos sind.

Auf den ersten Rängen preist man
dienstbeflissen und wie immer die Moral.
Doch mein Ego ist mir heilig,
und ihr Wohlergehen ist mir sehr egal.

In seinem aktuellen Programm singt er fast alle Lieder, auf die sein Publikum, das mit ihm alt und etwas runder geworden ist, wartet, nur auf den „Willy“ hofft man drei Stunden lang vergeblich.

Mit Wecker gemeinsam wundert man sich dann über die Aktualität seiner Texte, wenn er Roland Koch den „dummen Bub“ widmen will:

Damit er endlich mal pariert,
wird ihm das Hirn rausoperiert.

Sieh da, das war des Pudels Kern.
So ohne Hirn hat man ihn richtig gern.

Jetzt dreht er Däumchen, so a Freud!
Und ist ganz friedlich und bereut.

Und natürlich wundert’s niemanden im Saal, wenn Wecker nach „Es herrscht wieder Frieden im Land“ sinniert:

Man mag in Zeiten von Schäuble und Beckstein kaum glauben, dass der Text schon 25 Jahre alt ist.

Bizarr allerdings ist es schon, und zeigt das merkwürdige Verhälnis in die Jahre gekommener Liedermacher zu diesem Land, wenn Wecker sich voller Schadenfreude über fallende Aktienkurse zeigt und freudig über Selbstmorde von Bankern singt – unter einem rot leuchtenden Transparent „Wenn’s um Geld geht – Sparkasse“, das der örtliche Sponsor des Veranstaltungsortes im Bühnenbereich platziert hat.

Wie auch immer. Wecker hat in den 70ern so viele Texte gemacht, die heute noch in mir klingen:

Du, ich lebe immer am Strand
unter dem Blütenfall des Meeres.
Du, ich sag ein Lied in den Sand,
ein fast vertraut imaginäres.


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Ein Kommentar to “ Konstantin Wecker im Konzert ”

  1. # 1 Michael Kostic schreibt:

    Durch meine Brüder (53er und 60er) habe ich schon in meiner Kindheit seine Texte gehört ;-)

    Da kann man mal sehen wie lange wir bereit sind mit div. Lügen zu leben. Vielleicht hängt sein Erkennen von bestimmten Wahrheiten (schon vor einem viertel Jahrhundert) einfach mit der Möglichkeit zusammen, die Zeit hierfür zu haben. Künstler haben meist diese Zeit. Sie bezahlen dafür häufig einen hohen Preis :-)

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