Für die Privatisierung der WestLB
Auch der letzte Gegner der Marktwirtschaft müsste eigentlich angesichts der unglaublichen Fehlspekulationen der Staatsbanken aus Deutschland für die sofortige Privatisierung aller Landesbanken argumentieren. Es ist unerträglich, dass wegen der Verantwortungs- und Ahnungslosigkeit staatlich engagierter Manager nun amerikanische Familien ihre Häuser vom deutschen Steuerzahler geschenkt bekommen. Denn auch wenn die überschuldeten Häuslebauer in Florida und Nevada nun ihre Eigenheime verlassen müssen: andere werden sie zu Schleuderpreisen erwerben können, weil die Verluste vom deutschen Michel getragen werden.
Wie konnte es dazu kommen? die nordrhein-westfälische WestLB ist ein gutes Beispiel dafür, wie im Sumpf der polit-bürokratischen Staatswirtschaft bundesdeutscher Prägung inkompetenter Größenwahn gedeiht. Wo kein Manager anhand von Aktienkursen und Dividendenzahlungen auf den wirtschaftlichen Erfolg seines Unternehmens verpflichtet ist geht es nur noch darum, den Schein von Größe und Bedeutung so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Wenn da Geschäftsfelder und staatliche Aufgaben wegfallen, weil private Anbieter längst bessere Angebote machen, wird nicht etwa das Geschäftsmodell überdacht, rationalisiert und umstrukturiert. Das würde nicht ins Konzept sozialdemokratischer Allmachtsphantasien passen. Statt dessen sucht man sich neue Spielwiesen und glaubt, auch ohne Know How und Risikokontrolle ein ganz großes Rad drehen zu können.
Würde eine Privatbank solche Fehler machen, wären sie von Aktionären und Kunden schnell verlassen. Deshalb passen private Unternehmen auch besser auf, wenn sie Risiken eingehen. Auch die privaten Banker können sich verspekulieren, aber die aktuelle Krise zeigt deutlich, dass sie daran nicht zugrunde gehen, im Gegensatz zu ihren Möchtegern-Wettbewerbern aus dem staatlichen Sektor.
Nun ziehen die Milliardenverluste der Staatsbanken eine ganze Branche, ja eine ganze Volkswirtschaft in die Tiefe. Die Konsequenz kann nur sein: Schnell verkaufen, fast egal zu welchem Preis. Man wirft schlechtem Geld nicht gutes hinterher. Aber dazu haben die bestellten Verwalter nicht den Mumm in den Knochen. Statt dessen sammeln sie Geld beim Steuerzahler ein. Es ist zum Weinen.
Für Links auf diesen Artikel bitte wegen der Umlaut-Domain die folgende Adresse kopieren:
http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2008/01/22/fur-die-privatisierung-der-westlb/
am 22. Januar 2008 um 15:28
Was? Ich soll „der letzte Gegner“ der Marktwirtschaft sein? Immer wieder verteidige ich die Marktwirtschaft in meinem Blog gegen Kommunisten und andere Gegner
Das West/LB Problem liegt tiefer – dazu empfehle ich folgenden Kommentar:
http://ftd.de/meinung/kommentare/:Gastkommentar%20Martin%20Wolf%20Wenn%20Markt/305889.html
am 22. Januar 2008 um 18:18
Solange man Staatsbetriebe wie Landesbanken, Sparkassen und ihre Töchter als Banken bezeichnet und mit Privatbanken in einen Topf wirft, wird man das Problem ganz sicher nicht verstehen.
am 22. Januar 2008 um 19:41
@Jörg
Ich würde das anders formulieren: So lange Staatsbanken mit Privatbanken konkurrieren, wird man die Situation nicht vergleichen können. Die Landesbanken und die KfW haben eine Daseinsberechtigung als staatliche Institutionen – das solltest Du als Unternehmer wissen. Was diese Banken nicht machen dürfen, ist es, die gleichen Dienstleistungen anzubieten, die auch Privatbanken anbieten. Das deutsche Sparkassensystem ist mE ein erfolgreiches System – Privatbanken können und wollen nicht regionale Aufgaben des Staates übernehmen.
am 23. Januar 2008 um 09:27
Wir sollten uns in den Kalender schreiben: 22.01.2008: Spiegelfechter und Jörg Friedrich sind vollständig einer Meinung.
am 23. Januar 2008 um 09:46
*lach*
Stimmt, ein denkwürdiges Ereignis
am 23. Januar 2008 um 11:19
@Jörg
also wenn hier etwas wirklich zum Weinen ist, dann der Umstand, dass kaum mehr jemand versteht welch gewaltige Fehlinformation sich hinter diesem Satz verbirgt:
„Würde eine Privatbank solche Fehler machen, wären sie von Aktionären und Kunden schnell verlassen.“
Seit der Wiedereinigung werden in Deutschland ganz offen Erträge privatisiert und Verluste sozialisiert. Welcher Name diesem hässlichen Kind der (angeblichen) freien Marktwirtschaft gegeben wird, ist vollkommen irrelevant. Hast Du etwa die Versicherungskrise in Deutschland vergessen? Ist dir so schnell entfallen, wieso diese eingetreten ist, so als IT-Unternehmer? Wer hat denn bitte damals den Damen und Herren „Nieten in Nadelstreifen“ (Günter Ogger/1995) deren Allerwertesten gerettet? Also ganz bestimmt nicht deren Aktionäre oder Kunden (ja gut, aus einem abstrakten Blickwinkel betrachtet schon, aber garantiert unfreiwillig). Das war die Regierung, mit Steuergeschenken und Mitteln. Und verlassen hat die deswegen auch niemand, schon gar nicht deren Aktionäre und Kunden. Punkt, Komma, Aus, Wahr, Nachgewiesen, Bewiesen und nicht interpretierbar.
Erschreckend finde ich jedoch wie viele Menschen sich, auch im aktuellen Fall, einmal mehr dazu hinreißen lassen, billige Propaganda gegen staatliche Institutionen zu betreiben. Denn hierdurch lenken sie nicht nur von den tatsächlichen Problemen ab, sondern suggerieren auch noch, dass „Andere“ es besser könnten. Was kann denn bitte z.B. dieser „Andere“ besser?:
http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Ackermann_%28Banker%29
Etwa das hier?:
http://de.wikipedia.org/wiki/Mannesmann
Was für eine Leistung. Bravo, Super, Applaus! Ehrfürchtige Verneigung meinerseits…
Erschütternd hierbei ist gerade für mich die Tatsache, dass sich noch immer die große Masse der Entscheidungsträger (also nicht alle) damit herausredet, dass sie doch auch nur Anweisungen ausführen müssen bzw. ausgeführt hätten. Nicht einmal hier haben wir etwas aus der eigenen Vergangenheit gelernt…
am 23. Januar 2008 um 15:00
Hallo Michael,
du sprichst sehr engagiert eine Menge von Themen an, die hier sicher nicht komplett diskutiert werden können. Der Satz, dass Verluste sozialisiert würden, Gewinne aber privatisiert, ist sicher genauso falsch wie sein Gegenteil. Da muss man sich immer den Einzelfall ansehen, und nach dem Grund und dem Ergebnis von staatlichen Eingriffen fragen.
Trotzdem ist es erst mal so, dass Unternehmen, die hohe Gewinne machen, auch Steuern in Deutschland zahlen, das ist der Weg, auf dem auch Gewinne sozialisiert werden. Gerade die Deutsche Bank, die unter Ackermann zu einem äußerst erfolgreichen Unternehmen geworden ist, ist einer der größten Steuerzahler. Bei einem Gewinn von 7,3 Mrd EUR vor Steuern wurden in den ersten 9 Monaten 2007 1,8 Mrd. EUR Steuern gezahlt, und das trotz der Turbulenzen in dritten Quartal.
am 23. Januar 2008 um 23:07
@Jörg:
Früher habe ich auch einmal so ähnlich gedacht wie Du. Doch dann ergab sich für mich die Möglichkeit sehr tiefe Einblicke in unser staatliches Finanzverwaltungssystem zu nehmen. Dadurch begann ich über sehr vieles nach zu denken. Auf den ersten Blick mag der Satz den ich verwendete polemisch klingen, aber ab dem zweiten Blick ist er es nicht mehr. Seine Aussage ist sogar, bis zu einem bestimmten Punkt/Linie, zwingend notwendig um innerhalb großer ökonomischer Strukturen, ein sich selbst erhaltendes Belohnungssystem zu etablieren. Doch wenn dieser Punkt, diese Linie anfängt zu verwischen, gerät das ökonomische Pendel zusehends aus dem Lot. Nimm einmal den Sachverhalt „Just in Time“:
Bei gleichbleibender anteiliger allgemeiner Steuerbelastung, sinken nicht nur spezielle Steuerlasten, sondern es werden Lasten auf die Sozialgemeinschaft umgelegt.
- Unternehmen schafft Lager ab (Kostensenkung in Fläche/Personal/Erhaltsinvestitionen)
- Unternehmen übt Druck auf Speditionen aus (allgemeine Kostensenkungen aller Art)
- Sozialgemeinschaft hat rollende Lager auf den Autobahnen (Kostensteigerung in Wartung/Erhalt und Ausbau des Autobahnnetzes)
- Sozialgemeinschaft entsteht ein zusätzlicher Umverteilungsschaden (Die Umschulung der ehemaligen Lagerarbeiter trägt nicht die Firma, die sie entlassen hat)
Schau es ist alles viel komplexer als man so denkt. Versetzten wir uns in eine andere Zeit, würde ich sagen: „Man Leute Ökonomie ist ohnehin nur eine System das es ermöglichen soll, dass wir uns nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen, für ein bisschen Futter“
Doch nunmehr können uns Unternehmensführer wie der genannte unser Futter tatsächlich ungestraft stehlen. Und ab diesem Punkt/Linie wird die Sache wirklich sehr kritisch. In der Vergangenheit der Welt, konnten sich Händler wie dieser so ziemlich alles erlauben (durften also auch mal dem Despoten auf der Nase herum tanzen), aber wenn sie es sich erdreisteten Futter, oder andere lebenswichtige Güter der Gemeinschaft zu entziehen, wenn sie politische Macht ausüben wollten, dann wurde blank gezogen.
Denk doch einmal über Kreuz. Innerhalb deines eigenen Blogs stellst Du dir die Frage nach bestimmten Experten, die dies und das sagen (von dem man nicht genau weiss, ob dies stimmt). Und dann vertraust Du auf die Aussage von genau diesen Menschen, was die Bilanzergebnisse der Deutschen Bank angeht? Du fragst dich ob NOKIA nicht vollkommen richtig handelt (also an den gegebenen Verträgen orientiert). Aber fragst dich nicht danach wie hoch allein in diesem Fall die Schäden im wirtschaftlichen und sozialen Umfeld sein werden, wenn dort dieses Loch in das ökonomische Geflecht gerissen wird?
Unternehmer und Unternehmungen sind ein muss, für jede aufwärts strebende Lebensgemeinschaft die keine Lust dazu verspürt sich ihr Essen im Wald zu jagen. Die Art und Weise wie diese in die Lebensgemeinschaft eingebunden sind, entscheidet darüber wie viele Individuen nicht mehr Jagen gehen müssen.
Gruß
am 25. Januar 2008 um 00:20
@Michael
#8: IMHO wohl abgewogener Kommentar. Danke! Eins will ich aber noch hinterfragen:
Verwechselst Du da nicht Ursache und Wirkung? Am Anfang (Genehmigung der Subventionen) – sollte man da nicht auch an ein (mögliches) Ende denken? Wo stand denn damals, Nokia war gerade dem Dasein eines wenig erfolgreichen Reifenherstellers und Mischkonzerns entschlüpft … ein Ende ist auf verschiedene Weise denkbar – und nun eingetreten.
Die Menschen kriegen den Hals nicht voll genug! Wenn Manna vom Himmel fällt, stolpern die Menschen in großer Hast über ihre eigenen Füße; wenn’s ausbleibt – oder der Strom versiegt – rufen alle: „Gott steh‘ uns bei!“
Grüße
Vogel
am 25. Januar 2008 um 00:23
Scusi – Ergänzung, muss heißen:
Wo stand denn damals, dass Nokia eine Erfolgsstory wird? Nokia war gerade dem Dasein eines wenig erfolgreichen Reifenherstellers und Mischkonzerns entschlüpft … ein Ende ist auf verschiedene Weise denkbar – und nun eingetreten.
am 25. Januar 2008 um 17:23
@Vogel 9 u. 10:
OK. Ich sattle diesen Gaul mal von Hinten auf:
99% Zustimmung zum „Hals nicht vollkriegen können!“
01% Leute mit Hirn, die lediglich einen dicken Hals auf den Rest haben
Die Sache mit dem kausalen Dreher sieht aber schon ein wenig komplexer aus. Lass doch bitte hierzu das Problem mit der Nachhaltigkeit einfließen. Dies ist ja immerhin auch ein Faktor der so an kaum einer Stelle im analytischen Sinn ordentlich berücksichtigt wird. Die Kontinuität von Motiven wie Zielen auf der Zeitschiene differiert doch zwischen Politik und Wirtschaft ganz gewaltig. Das ist ja auch der Grund weshalb ein gewisser Jemand, mir meine Sonderausbildung angedeihen ließ
1. In dem gegebenen politischen Modell, werden durch sog. freie Wahlen -vom Qualifikationsnachweis absolut befreite- Personen zur Entscheidungsfindung in den Verwaltungsstellen -zeitlich nicht kalkulierbar variabel- bestimmt.
2. In dem gegebenen wirtschaftlichen Modell, werden durch gleichbleibende hierarchische Strukturen oft unter aktiver Einbeziehung von Qualifikationsnachweisen, Personen zur Entscheidungsfindung in den Unternehmen langfristig bestimmt.
Im direkten Gegensatz zu 1. ist nur bei 2. die grundsätzliche Fähigkeit zur strategischen Planung möglich.
Weder die Truppenstärke, noch die Organisationsstruktur und schon gar nicht die Effizienz in Handlung bzw. Innen und Aussendarstellung, können zwischen 1. und 2. als annähernd ausgeglichen angesehen werden.
Durch den vermeintlichen Sieg über solcherlei eingeschränkte wie benachteiligte Gegner, kann der Sieger nicht nur nichts lernen, sondern auch nichts gewinnen.
Gruß
am 8. Februar 2008 um 11:13
Die West-LB ist genau so in der Krise wie die Sachsen-LB.
Was passiert wenn eine Bank pleite geht, sie wird verkauft!
Ich bin der Meinung, dass es auf Kurz oder Lang ebenfalls zu
einem Verkauf der West-LB kommt. Das traurige an der ganzen
Sache ist, dass die Bürger doppelt betroffen sind.
Die Sparkassen müssen Milliarden aufbringen, was zu einer
Teuerung der Sparkassen-Leistungen führen wird und der Staat
hängt mit ein par Milliarden mit drin (Steuergelder).
Warum dauern derzeit Überweisungen von sparkassenfremden Konten
zu Sparkassenkonten eigentlich so lange? Und andersrum auch?
Stichwort: Tagesgeldkonten von der Sparkasse…
Naja, ist aber nen anderes Thema…
am 29. Februar 2008 um 13:20
@Jörg:
„Der Satz, dass Verluste sozialisiert würden, Gewinne aber privatisiert, ist sicher genauso falsch wie sein Gegenteil.“
Wenn sich dieser (bisher nur) Verdacht als berechtigt herausstellt,:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=3029
dann müsste es wohl eher heissen:
„Ich habe es dir doch gesagt, trifft es wohl nicht ganz!“
Gruß
am 28. Juli 2008 um 07:17
@ Michael
warum kann man den Link nicht mehr anklicken?