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Jörg Friedrich


Obama, Geller, Klinsmann

11. Januar 2008 Kategorie: Gesellschaft |

Gebannt starrt die politisch interessierte Öffentlichkeit derzeit über den Teich: Wer darf im nächsten Jahr zur Präsidentenwahl in den USA antreten? Man mag es, genau betrachtet, kaum fassen, dass hierzulande mit scharfem Blick verfolgt und mit spitzer Feder kommentiert wird, wer in welchem Bundesstaat der USA nun wieviele Stimmen auf sich vereint, wer wieviele Tränen über den Sieg oder die Niederlage vergossen hat.

Wer poltitisch nicht ganz so interessiert ist oder noch ein wenig Zeit übrig hat, verfolgt mit nicht weniger Enthusiasmus die genauso wichtigen Entscheidungen hierzulande, auch hier geht es schließlich um Nachfolger, wenn auch nicht eines Präsidenten, so doch zweier Magier: Uri Geller heißt der eine, Ottmar Hitzfeld der andere.

Vielleicht rechnet einmal jemand aus, wie viel Zeit wir mit der Beobachtung von Ereignissen verbringen, die für unser eigenes Leben völlig unwichtig sind. Die Beispiele zeigen, dass offenbar kaum einer davor gefeit ist, sich von Casting-Shows in den Bann ziehen zu lassen.

Betrachtet man die Sache mit einem gewissen Abstand, dann verschwimmen nämlich die Unterschiede zwischen den Vorwahlen in den USA und „The next Uri Geller“ und übrig bleibt: Wir schauen Leuten, die fast so sind wie wir selbst, dabei zu, wie sie vielleicht in die Schicht der Reichen und Mächtigen vordringen, und der, der das letztlich schafft, erreicht es durch eigene Leistung und durch die Stimme des Zuschauers.

Die politischen Analysen zum Vorwahlkampf unterscheiden sich dabei in nichts von den Kommetaren zu den Tricks der Zauber-Show und von den Diskussionen am Fußball-Stammtisch (auch wenn der Bayern-Trainer nicht per Casting-Show gefunden wurde).

Es ist der amerikanische Traum, der auf diese Weise in uns allen am Leben gehalten wird: Jeder kann es schaffen, aus eigener Kraft und mit Hilfe der Mehrheit, die er überzeugen muss. Diese Vorstellung, an der ja auch was wahres dran ist, scheinen wir alle in uns aufgenommen zu haben.

Und das hat ja auch etwas beruhigendes. Schade nur, dass so wenige sich aus dem Fernsehsessel, vom Computer und vom Stammtisch erheben, um es selbst zu versuchen.


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Ein Kommentar to “ Obama, Geller, Klinsmann ”

  1. # 1 Markus schreibt:

    Ja, sehr bemerkenswert wie intensiv die Medien hier die Vorwahlen in den USA betrachten. Ich schätze, dass sich die hiesige Bevölkerung dafür mehr interessiert als die jenseits des Atlantiks.

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