Jörg Friedrich


Archive for Dezember, 2007

Die russische Demokratie

Dezember 05, 2007 By: Jörg Category: Gesellschaft | 1 Comment →

Vielleicht hat der russische Präsident Putin, als er noch Ministerpräsident unter Jelzin war, Böckenfördes denkwürdigen Satz gelesen, dass der freiheitliche Staat vor Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann. Sicherlich hat er das Russland der Putin-Zeit als Beweis für dieses Theorem des deutschen Verfassungsrichters angesehen. Die individuelle Freiheit, die die Russen während und nach der Perestroika gewannen, führte scheinbar ins Chaos, in eine zunehmende Anarchie, von der nur wenige clevere Altfunktionäre und neureiche Oligarchen profitierten.

Heute ist klar: Als Konsequenz aus dieser Erkenntnis hat Putin das Land nicht auf einen Weg geführt, welches es den westlichen Demokratien ähnlicher macht. Deshalb ist auch ein Vergleich der „jungen russischen Demokratie“ mit der deutschen Nachkriegsvergangenheit nicht wirklich hilfreich. Selbst wenn Adenauer so wenig Demokrat war wie Putin einer ist, er agierte auf der Grundlage eines durchdachten demokratischen Regelwerkes, dessen Bewahrung von anderen westlichen Demokratien, den Besatzungsmächten, garantiert wurde. Diesem Zwang unterliegt Putin nicht. Mit seiner derzeitigen Machtfülle ist er in der Lage, die Verfassung Russlands (nicht nur im Sinne des Dokumentes, welches diese Bezeichnung trägt, sondern auch im Sinne der Verfasstheit des Landes) nach seinem Gutdünken zu ändern.
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Ist es Zeit für einen FAZ-Watchblog?

Dezember 04, 2007 By: Jörg Category: Gesellschaft | 11 Comments →

Langsam frage ich mich, ob die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen kritischen Begleiter wie das BildBlog braucht. In den letzten Tagen hatte Thomas Knüwer schon mehrfach kritik- oder wenigstens diskussionswürdige Beiträge in der FAZ diskutiert, zuletzt hier, aber heute schafft Deutschlands seriöseste Zeitung den vorläufigen Höhepunkt der jornalistischen Merkwürdigkeiten.
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Benedikt: Auf Hoffnung hin sind wir gerettet.

Dezember 03, 2007 By: Jörg Category: Gesellschaft | 2 Comments →

Lohnt es sich für einen Atheisten oder Agnostiker, die neueste Enzyklika des Papstes zu lesen? Was erwarte ich, wenn ich mich mit einem Text beschäftige, den das Oberhaupt einer Organisation ausdrücklich nur an die Mitglieder dieser Kirche schreibt, steht doch schon im Titel: „An die Bischöfe, an die Priester und Diakone, an die gottgeweihten Personen und an alle Christgläubigen“?

Zunächst einmal, dies schreibt ein kluger, ein gebildeter, ein erfahrener Mann. Ein Mann, der viel nachgedacht, gelesen, geschrieben und gestritten hat. Seine Organisation, die katholische Kirche, verliert zwar in dem Teil der Welt, in dem ich mich täglich bewegem an unmittelbarem Einfluss, hat aber genau diese europäische Gesellschaft über zwei Jahrtausende erheblich mit geprägt. Die Werte- und Normenstruktur, der ich seit meiner Geburt ausgesetzt bin, ist letztlich in der Annahme oder Ablehnung und in der Außeinandersetzung mit den Vorgaben der Kirche entstanden.
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