Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken &handeln! Willst du auch an der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien:


Jörg Friedrich


Klimaschutz ist eine Illusion

13. Dezember 2007 Kategorie: Gesellschaft |

Ob das Klima des menschlichen Schutzes überhaupt bedarf, ist nicht gewiss. Und sarkastisch könnte man auch formulieren, dass es das Klima auf der Erde wahrscheinlich noch geben wird, wenn von der menschlichen Zivilisation, wie sie heute existiert und damit die Stabilität des Klimas beeinträchtigt, nichts mehr übrig sein wird.

Nicht das Klima an sich ist in Gefahr, sondern die klimatischen Bedingungen, auf denen unser heutiges kulturelles und wirtschaftliches Leben basiert, werden sich möglicherweise ändern, und zwar durch die Rückwirkungen eben dieses Lebens, welches in die natürlichen Regel-Mechanismen eingreift, um es sich bequem zu machen. Das wird früher oder später, schneller oder langsamer, zu unangenehmen Folgen für die Kultur und die Wirtschaft und damit für die Existenz eines jeden von uns führen. Und wir können nichts dagegen tun. Denn Klimaschutz ist eine Illusion.

Klimaschutz soll heißen: Den Eingriff des Menschen in seine Umwelt soll minimiert werden, alles, was nicht notwendig ist, muss vermieden werden. Doch dazu sind wir weder im Alltag bereit, noch im großen Maßstab in der Lage.

Gerade die dunkle Jahreszeit zeigt, wie wenig wir geneigt sind, auf unsinnige, überflüssige Energieverschwendung zu verzichten: Kirchen und Schlösser werden in Licht getaucht, Leuchtreklamen tauchen den Himmel über den Stadten in diffuses Licht und die Adventsbeleuchtung der Weihnachtsmärkte und Gärten verschafft uns den trügerischen Schein einer wohligen und sicheren Welt.

Das alles ist schön, es gehört womöglich zu unserer Kultur, gibt uns das Gefühl von Tradition, Geborgenheit und Stabilität und ist so für das Überleben in Stress und Chaos vielleicht nötig. Aber es zeigt eben, wie wenig wir in der Lage sind, zugunsten der Bekämpfung einer immer noch abstrakten Gefahr auf solche Wohlstands-Signale zu verzichten.

Wir delegieren die Verantwortung für die Abwendung abstrakter Risiken gern an das politische System, zu dem neben Regierungen und Parteien natürlich inzwischen die verschiedenen Lobby-Organisationen und NGO’s gehören. In der heutigen FAZ kann man sehr schön nachlesen, wie das nicht funktioniert. Die Geschwindigkeit der Entscheidungsprozesse im globalen politischen Geflecht von Interessen, Machpositionen und Zielen hält mit dem Tempo des Klimawandels vermutlich schon deshalb nicht Schritt, weil politische Entscheidungen grundsätzlich erst dann durchsetzbar sind, wenn die Folgen des jeweiligen Nicht-Handelns für jeden offensichtlich sind – das gilt für die Kohle-Politik in NRW genauso wie für die Folgen des demografischen Wandels in Deutschland und erst recht für die nur weltweit lösbaren Probleme der Emissionen von Treibhausgasen und der Abholzung der Klimastabilisierenden Urwälder.

Natürlich hängt unsere persönliche, alltägliche Unfähigkeit, zu verzichten, mit der Unfähigkeit des politischen System, globale Maßnahmen zu beschließen und durchzusetzen, zusammen. Eine praktische Neuorientierung der Menschen im Alltag würde auf die politischen Strukturen einen enormen Druck ausüben, das würde möglicherweise auch das Tempo der Neuausrichtung der Wirtschafts-und Umweltpolitik in allen Teilen der Welt verändern. Würden wir Europäer im Alltag zeigen, was uns unsere Alpengletscher und der Schnee im Winter (und die verregneten Sommer) Wert sind, würden wir wirklich die Lichter, die wir nicht brauchen, abstellen, nicht nur für fünf Minuten, sondern auf Dauer, dann würden denen, die immer mit dem Finger auf die Industrieländer zeigen, bald die Argumente ausgehen. Aber das ist genausowenig zu erwarten wie die Durchsetzung globaler Vernunft in den politischen Entscheidungen überall auf der Welt.

Was bleibt? Der Klimawandel kommt oder kommt nicht, vielleicht schneller, vielleicht langsamer, wir werden noch eine Weile darüber nachdenken und streiten, ob wir Menschen Schuld sind oder nicht. Ändern werden wir unser Handeln sicher erst, wenn es zu spät ist. Vielleicht wird es dann ungemütlich, aber daran werden wir uns gewöhnen. Ich glaube nicht, dass die Menschheit daran zu Grunde geht, sie wird sich ändern, vielleicht wird es Katastrophen und Kriege geben, vielleicht werde sie uns ersparrt bleiben.

Wir können uns nicht mal richtig vorbereiten, wir wissen ja nicht, was wirklich kommt. Wir sind einfach machtlos.


Für Links auf diesen Artikel bitte wegen der Umlaut-Domain die folgende Adresse kopieren:
http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2007/12/13/klimaschutz-ist-eine-illusion/

5 Kommentare to “ Klimaschutz ist eine Illusion ”

  1. # 1 Juergen schreibt:

    Mir gefällt, was ich letztens irgendwo über den Elder Statesman Klaus Töpfer gelesen habe, der stoisch in einer hysterischer werdenden Talkshow zum Thema saß und unbeeindruckt nur gesagt haben soll: „Energie sparen ist immer sinnvoll.“

  2. # 2 Jörg schreibt:

    Da hat Töpfer völlig recht. Und so lange das kaum jemand tut, brauchen wir über den großen „Klimaschutz“ gar nicht zu reden.

  3. # 3 Michael Kostic schreibt:

    Hallo,

    also Klimaschutz ist echt eine tolle Sache, wenn denn die meisten Diskutanten dies hier:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Energieerhaltungssatz

    zumindest in Hinsicht auf die Art und Weise der Energiegewinnung, in seiner ganzen Tragweite wirklich verstanden hätten…

    Ich halte es nach wie vor für einen der größten Denkfehler Klimaschutz und das sog. „Energiesparen“ miteinander unsachlich zu vermengen. In meinen Augen verwischen wir damit viel zu sehr den eigentlichen Kern der Sache: Die Art und Weise wie wir die Energie die wir tatsächlich brauchen klimatisch „weitestgehend unbedenklich“ umwandeln können. Doch schon heute schalten die meisten Menschen diesbezüglich ihren Kopf aus, mit der ihnen öffentlich gelieferten Begründung: „Ich tue doch alles um Energie zu sparen.“

    Worauf es aber nach wie vor ankommt ist erst einmal zu verstehen was dieses „Klima“ denn überhaupt ist und wie es so „Alles in Allem“ bzw. im Detail tatsächlich funktioniert. Immerhin muss auch festgestellt werden, dass ich wohl kaum etwas schützen kann, was ich nicht einmal in seiner Funktion verstanden habe…

    Gruß

  4. # 4 Jörg schreibt:

    Oh doch, man kann etwas schützen, was man in seiner Funktion nicht verstanden hat, nämlich indem man es sich ganz selbst überlässt, indem man jegliches Eingreifen in diese unbekannten Funktionen vermeidet. Gerade wenn man etwas nicht verstanden hat, schützt man es vor der eigenen Unvernunft am besten dadurch, dass man es in Ruhe lässt, oder jedenfalls so wenig wir möglich stört.

  5. # 5 Michael Kostic schreibt:

    Sicher die Argumentation ist in sich funktionsfähig, allerdings nur insofern als das hier keinerlei Abhängigkeit gegeben wäre. Doch genau dies ist doch das eigentliche Problem. Unsere Spezies beeinflusst das gegebene Klima schon durch deren blossen Drang zum Überleben. Seit Jahrtausenden haben wir durch diesen Zwang das Klima aktiv oder passiv beeinflusst. Nur gelernt haben wir offenbar recht wenig über genau das, wovon wir in letzter Konsequenz abhängig sind ;-)

Kommentieren

XHTML: Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>