Die Weihnachts-Falle
Auch wenn sie nicht empirisch belegt ist vertreten viele Menschen die These, dass das Fest des Friedens und der Liebe im Familienkreise schnell zum Horror-Trip des Streites und des Ärgers werden kann. Und da viele das für unvermeidbar halten, wird die zornige Auseinandersetzung unterm Tannenbaum leicht zur einer Vorhersage, die sich selbst erfüllt. Kann man nichts dagegen tun?
Die Einbahnstraße in die Jahresend-Katastrophe beginnt schon Wochen vorher, in der Advents-Zeit, die eigentlich die Zeit der frohen Erwartung sein sollte. Neben den normalen Aufgaben des Alltags müssen plötzlich zusätzliche Dinge erledigt werden: Geschenke besorgen, das Fest vorbereiten. Nicht nur, dass hier bereits extra-Stress entsteht – auch der Familienstreit nimmt hier schon seinen Anfang. Er beginnt mit dem Dialog:
„Was wünscht du dir denn?“
„Ach, ich weiß auch nicht…“
Wer klare Wünsche hat, der sorgt schon mal für Entspannung. Keine Wünsche haben, macht die Sache dagegen stressig.
„Ich brauche nichts, ich hab doch schon alles!“ – Toll, das ist sehr hilfreich. Aber es stimmt natürlich nicht. Es gibt immer etwas, was man schenken kann, wenn man nur auf den Anspruch verzichtet, dass es unbedingt etwas sein muss, was der andere „braucht“. Entweder man schenkt etwas, was einfach schön ist, oder etwas, was verbraucht wird, wie Gewürze, Backzutaten, Kerzen, Kreuzworträtsel-Bücher, Material fürs Hobby. Und wer kein Hobby hat, bekommt eins geschenkt.
Wichtig ist, dass das Geschenkekaufen Spaß und keinen Stress macht.
Dann kommt das Familienfest, die Konzentration vieler Menschen auf engstem Raum, der ohnehin schon vollgestellt ist vom Weihnachtsbaum und den Geschenken, die stickige Luft wird durch Kerzen, Tannenduft und Qualm aus Räuchermännchen noch dicker, die Lautstärke und das Stimmengewirr wird duch unablässig dudelnde Weihnachts-Musik aus dem CD-Player oder dem Fernseher noch verstärkt.
Also: Platz schaffen, Lärm- und Wärmequellen reduzieren, Räuchermännchen auslassen, oft lüften, am besten oft vor’s Haus gehen. So einfach schafft man fröhliche und entspannte Atmosphäre.
Wer dann noch eine Liste mit allen Themen (Politik, Fußball, Erziehung), die er tunlichst vermeiden will, im Kopf hat, wer mit der selbstverständlichen Einsicht in die Tage des Wiedersehens der lieben Verwandtschaft geht, dass er weder seine Eltern, nochseine Geschwister oder deren Kinder in den paar Stunden erzogen oder von irgendetwas wichtigem überzeugt bekommt, der ist der Weihnachts-Falle schon fast entkommen. Er braucht nur noch die Postitiv-Liste der unverfänglichen Themen (Kinofilme, Promis, Kochrezepte, Wetter) vorbereitet im Kopf haben und die feste Absicht, allem was schief geht mit Nachsicht zu begegnen – dann wird’s ein wunderbares, friedliches, besinnliches Weihnachtsfest.
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