Große Blogs und kleine Kommentare
Es könnte mir egal sein, denn als Blogger betrifft es mich nicht. Aber als Leser anderer Blogs, der auch an den Meinungen anderer Leser Interesse hat, beschäftigt es mich schon.
Große Blogs haben ein Problem mit ihren Kommentatoren. Stefan Niggemeier z.B. kann sich zwar gerade wieder darüber freuen, dass seine Beschäftigung mit Greenpeace wieder einmal mehr als 300 Kommentare gebracht hat, aber viele davon sind für den Leser eher ein Ärgernis als eine Freude. In dummen Kurz-Bemerkungen geht die Diskussion zum Thema längst unter. Niggemeier denkt – wohl nicht ganz ernstgemeint – über automatische Kommentarfilter nach:
(Ich glaube, wenn man einen Kommentarfilter einbaute, der automatisch alle Kommentare löschte, die mehr als drei Ausrufezeichen enthalten, es träfe nie, wirklich nie den falschen.)
Beim Politblog hat man gerade beschlossen, die Kommentarfunktion abzuschalten, auch wenn die Idee, dass man sich um die Erlaubnis zum Kommentieren bewerben kann, etwas merkwürdig erscheint. Sinnvoller wäre es für den Moment vielleicht gewesen, gezielt diejenigen anzuschreiben, die man als Kommentatoren behalten möchte – aber vielleicht hat man das ja trotzdem getan.
Kann man das Problem überhaupt ohne strenge Moderation in den Griff bekommen? Offensichtlich schon, denn andere große Blogs scheinen es nicht zu haben, weder beim Spiegelfechter noch beim Spreeblick sind mir diese Zustände bisher aufgefallen.
Liegen die Unterschiede beim Blog-Profil, oder doch in den Zugriffszahlen. Taucht es vielleicht ab einer gewissen Leserzahl pro Tag unvermeidlich auf?
Wie auch immer, man kann da ohnehin keine allgemein-gültigen Handlungsregeln für Blogger finden. Die einen mögen es vielleicht, der nächste meint, es geht nunmal nicht anders, ein anderer schließt die Kommentarfunktion und wieder ein anderer verliert die Lust am Bloggen ganz. Als Leser und Kommentator wünschte ich mir aber schon ein wenig mehr Diskussions-Disziplin in den großen Blogs, weil es sonst so nervig-zeitverschwendend ist, wenn man immer wieder sieht, dass es neue Kommentare gibt, und dann ist es doch wieder nur Geschwätz.
Update 11.12.2007 15:00 – Das Politblog lässt inzwischen wieder Kommentare zu, allerdings nur von angemeldeten Benutzern.
Für Links auf diesen Artikel bitte wegen der Umlaut-Domain die folgende Adresse kopieren:
http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2007/12/11/grose-blogs-und-kleine-kommentare/
am 11. Dezember 2007 um 14:54
Das Problem mit den Kommentaren ist, dass jeder eine andere Vorstellung hat, wofür sie eigentlich da sind. Sind sie nur dafür gut, Feedback für den Artikel zu sammeln? Oder ergänzende Informationen? Oder zur Diskussion? Für keinen dieser Anwendungsfälle sind sie wirklich geeignet, zudem sehr störanfällig für Geschwätz und Spam. Da ist noch viel Platz für Innovation. Abschalten aber empfinde ich als Bankrott-Erklärung.
am 11. Dezember 2007 um 16:51
@Jörg
Auch wenn ich den SF keinesfalls als „großen“ Blog bezeichnen würde, so denke ich mal, dass es die Verhinderung von Präzendenzfällen ist, die Trolls abschreckt. Ähnlich wie die Kollegen von F!XMBR gehe ich recht rigide gegen Trolls vor. Offensichtliche Null-Kommentare oder rein provokative Kommentare ohne „Nährwert“ werden sofort gelöscht. Früher mußte ich häufiger davon Gebrauch machen, heute ist die Trollquote sehr gering. Wenn ein Blog erst einmal den Ruf weg hat, „trollfreundlich“ zu sein, zieht das diese Subjekte natürlich auch magisch an. Ich würde das mal als digitale Broken-Windows-Theorie bezeichnen. In einem „gepflegten“ Kommentarbereich traut sich der Troll nicht, sein Beinchen zu heben, in einer „Trollpfütze“ agiert er mutiger. Dies wird wohl bei Herrn Niggemeier das Hauptproblem sein.
Das Politblog vertritt ein sehr eingeschränktes und auch sehr spezielles politisches Spektrum, in dem die Trollpopulation traditionell sehr hoch ist – in diesem Bereich wird es naturgemäß schwerer, das Blog sauber zu halten.
@Fragezeichner: Ich denke, dass sich der Kommentarbereich für alle von Dir genannten Funktionen eignet – manchmal besser, manchmal schlechter.
am 12. Dezember 2007 um 10:33
@Spiegelfechter: also ich bin sehr oft frustriert, wenn ich versuche, eine konstruktive Diskussion in Kommentaren zu führen. Man redet oft aneinander vorbei, der vermeintliche Gesprächspartner ist plötzlich verschwunden, es tun sich plötzlich neue Fronten auf, unbelegte Thesen verschleiern die Diskussion, mehrere Diskussionstränge verschiedener Teilnehmer verflechten sich, etc. Ich denke nicht, dass Kommentare der Weisheit letzter Schluss sind.
Interessant, dass es dir selbst gelungen ist, eine recht gut funktionierende Diskussionskultur auf deinem Blog zu etablieren. Dafür Respekt.