Im Fernsehen: Der Novembermann
Man soll jeden Tag so leben, als wenn es der letzte wäre, sagt ein Sprichwort, das damit wohl meint, dass man das Leben genießen und seine Zeit für angenehme Dinge nutzen soll. Gestern abend, als ich „Der Novembermann“ in der ARD sah, kam mir das Sprichwort wieder in den Sinn, aber in einer ganz anderen Bedeutung.
Eine Frau verabschiedet sich, wie jedes Jahr Anfang November, von ihrem Mann in den Toscana-Urlaub. Am nächsten Tag verunglückt sie tödlich: Aber nicht auf dem Weg nach Italien, sondern nördlich von Bremen.
Schnell wird klar, dass sie seit 10 Jahren ein Doppelleben geführt hat: Während ihr Ehemann sie bei einer Freundin im milden Süden wähnte, genoss sie mit einem alten und blinden Musiker die Herbststürme auf Sylt.
Über die Motive der Frau, über ihre Unfähigkeit oder ihren Unwillen, sich zu entscheiden, Klarheit zu schaffen, kann man nur spekulieren oder eigene Geschichten erfinden, jedenfalls nicht urteilen oder richten. Im Film geht es um die beiden Männer, die zurückbleiben mit einer Enttäuschung, einer schmerzhafen Verletzung, die nicht geheilt, die nicht wieder gut gemacht werden kann.
Jeden Tag so leben, dass es der letzte sein kann, das heißt auch, so ehrlich zu seinen Mit-Menschen zu sein, dass nach einem plötzlichen Tod kein Vertrauensbruch zu Tage kommen kann, den man nicht mehr verzeihen kann, weil der, dem man verzeihen müsste oder wollte, nicht mehr da ist. Die Verzweiflung über den Tod ist schon groß, wenn dazu noch die Verzweiflung über das falsch gelebte Leben dazu kommt, wird das Alleinsein unerträglich.
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