Was die Stars uns wert sind
Ein Bundesliga-Fußballer bekommt mehr Geld als der Platzwart, einige Schauspieler erhalten Millionen für ein paar Drehtage, während der Kamera-Assistent mit ein paar tausend Euro nach hause geht, und Manager bekommen ihre Tätigkeiten teilweise mit dem hundertfachen dessen vergütet, was die Angestellten des Unternehmens bekommen.
Merkwürdigerweise entzündet sich die Diskussion darüber, was gerechte Entlohnung ist, nicht an Sportlern oder Künstlern sondern einzig an den Manager-Vergütungen.
Schauspielern und Musikern neidet kaum jemanden das üppige Honorar. Fußballern wird nur dann der Reichtum nicht gegönnt, wenn sie nicht Meister oder Weltmeister werden. Aber Führungskräfte bekommen nach Meinung eines großen Teils der Bevölkerung (und auch der Politik) entschieden zu viel Gehalt, und das unabhängig davon, ob das Unternehmen, das sie führen, erfolgreich ist oder nicht.
Dabei ist es ganz einfach: All diese Gehälter sich Preise für eine Dienstleistung, und dieser jeweilige Preis richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Es gibt nur weinige Schauspieler, deren Anwesenheit in einem Film die Kinokassen klingeln lässt, nur wenige Fußballer ziehen mit ihrer Leistung Millionen in die Stadien und vor die Bildschirme. Ebenso gibt es nur wenige Manager, die in der Lage sind, ein Großunternehmen mit zehntausenden Beschäftigten zu führen, schnell und erfolgreich Entscheidungen zu treffen, mit Geschäftspartnern auf der ganzen Welt zu verhandeln.
Schaut man sich die Einkommensverteilung der Stars in Kunst, Kultur, Sport und Wirtschaft genauer an, fällt auf, dass es selbst in den Eliten nur ganz wenige sind, die wirklich jedes Jahr Millionen verdienen. Gesamtwirtschaftlich, das muss einfach ganz emotionslos eingestanden werden, aber auch bezogen auf die Kosten des einzelnen Unternehmens, fallen diese Extremvergütungen nicht ins Gewicht, schon gar nicht bei den Großunternehmen. Letztlich kan man so eine Vergütung ansehen wie jede andere Investition: Sie muss isch rentieren, und meistens rentiert sie sich auch.
Die Extremgehälter der Stars haben aber noch eine andere Funktion: gerade der riesige Unterschied zu den vielen anderen, deren Arbeit sich gar nicht so wesentlich von der Tätigkeit der Stars unterscheidet, spornt eine breite Masse von jungen und aktiven Menschen an, aktiviert den Ehrgeiz derer, die meinen, es genauso gut zu können.
Der Fußballer in der zweiten Liga ist von den Spitzengehältern der Nationalspieler weit entfernt, aber er sieht, dass er da hin kommen kann. Das gleiche gilt für die jungen dynamischen Betriebswirte in der mittleren Management-Ebene. Sie wissen, fast alle dieser Spitzen-Manager haben mal an einer ganz gewöhnlichen Uni BWL oder VWL studiert, und haben sich dann voller Ehrgeiz auf ihren Weg gemacht.
Das ist die Funktion der Stars und ihrer Extrem-Gehälter: Sie feuern den Ehrgeiz und die Kreativität der Menschen an. Die meisten davon, werden zwar nicht nach ganz oben kommen, aber sie werden mit dem glücklich, was sie erreichen. Auf dem Weg nach oben haben sie passabel Fußball gespielt, gute Filme gemacht, kreative Ingenieurleistungen erbracht oder Abteilungen geleitet.
Stars sind die fernen Ziele, auf die wir unsere Wünsche richten. Wer behauptet, für ihn gehöre ein Leben in Reichtum oder Wohlstand nicht dazu, gehört zu einer Minderheit. Soll das Ziel eine große Kraft entfalten, muss es enorm attraktiv sein. Deshalb ist es völlig in Ordnung, wenn die Stars fürstlich vergütet werden. Zumal sie 40% dieser Vergütung ohnehin direkt ins Staatssäckel fließen lassen.
Für Links auf diesen Artikel bitte wegen der Umlaut-Domain die folgende Adresse kopieren:
http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2007/11/27/was-die-stars-uns-wert-sind/
am 27. November 2007 um 17:08
Halte ich für eine gewagte These, dass Manager für ihre Leistung bezahlt werden.
Und noch gewagter ist die These, dass hohe Manager-Gehälter Mitarbeiter des Unternehmens anspornen. Das Gegenteil scheint der Fall, der Neidfaktor wird ja immer wieder als Argument gegen die Offenlegung von Gehältern genannt.
Interessant aber ist auf jeden Fall die Frage, warum wir hohe Manager-Gehälter als ungerecht empfinden, die Gehälter von Fussballern oder Schauspielrn aber nicht. Jeder Fall liegt warhscheinlich anders: die Leistungen von Fussballern sind einfach zu beurteilen, zudem können sie nur 10-15 Jahre so viel verdienen. Schauspieler hingegen zahlen einen hohen Preis für ihre Popularität.
am 27. November 2007 um 18:43
In Bezug auf Fussballer musst du ein bisschen vorsichtig sein. Die Gehälter von Fussballern in den europäischen Topklubs fallen nicht nur extrem ins Gewicht, die horenden Höhen, die da erreicht werden, sind auch verantwortlich dafür, dass die meisten spanischen, englischen und itaienischen Vereine ein Minusgeschäft betreiben. Dies wird dann häufig durch das Vermögen von Privatpersonen ausgeglichen, die das als eine Art Hobby betrachten. Die Spielchen der Milliardäre. Die „fürstlichen“ Vergütungen sind da meines Erachtens ganz klare Wettbewerbsverzerrung und daher trotz der Motivation, die sie bei anderen auslösen, abzulehnen.
Bei Managergehältern wird es spätestens dann bedenklich, wenn sie sich gegenseitig das Geld in den Arsch schieben; also eine Gruppe von Leuten über die Gehälter bestimmt und dabei eine Art Vetternwirtschaft betreibt. Darüber hinaus darf nicht die Relation zum Erfolg des Unternehmens abhanden kommen. Wird auf der einen Seite ein knallharter Sparkurs propagiert und auf der anderen das Gehalt der Aufsichträte aufgestockt, entspricht das zumindest nicht meinem Empfinden von Gerechtigkeit.
In der Grundaussage würde ich dir zwar Recht geben, aber im Details gibt es da doch einige problematische Aspekte.
am 27. November 2007 um 20:30
Bei Sportlern und Künstlern wird der Marktwert über die Popularität austariert. Ein Sportler der beliebt ist, verkauft viele Trikots, zieht Fans ins Stadion und eignet sich als Werbeträger. Außer letzterem sind dies alles samt Leistungen und Produkte, die vom „Fan“ erworben werden. Bei Künstlern ist es ähnlich.
Der Marktwert von Managern ist indes nicht über eine so simples Schema zu berechnen. Manager sollen für Leistung bezahlt werden und ihre Leistung spiegelt sich in Zahlen und Perspektiven wider. Ich kaufe mir keinen Benz, weil ich den Bart von Herrn Zetsche so doll finde, sondern weil mir das Produkt und das Preis-/Leistungverhältnis zusagt (stark vereinfacht). Dies sieht bei Sportlern anders aus – sie sind ein Produkt und kein Produktdesigner. Während also der „Wert“ eines Sportlers, wie der eines Produktes austariert wird, wird der Wert des Managers nur über interne Märkte austariert. Ist Herr Ackermann seine zwölf Millionen wert? Wahrscheinlich ist er das; war Herr Schremp seine Millionen wert? Wohl kaum, wäre er ein Sportler/Künstler, hätte er nie so viel Geld bekommen
am 27. November 2007 um 20:39
@people in motion: Immerhin gibt es für den Fall, dass Aufsichtsräte den Vorständen überhöhte Vergütungen zuschanzen den Tatbestand der Untreue, wegen dem jeder Aktionär Anzeige erstatten kann. Gerade der Vodafone-Mannesmann-Fall hat aber gezeigt, dass Untreue oft schwer nachzuweisen ist, wenn die Tätigkeit des Managers zu Kursgewinnen usw führt. Aber ich gebe dir Recht – die Sache ist problematisch.
@Spiegelfechter: Den Unterschied zwischen Sportlern, Künstlern und Managern,den du siehst, sehe ich nicht: Alle drei sind für das Unternehmen, welche ihre Dienstleistung kauft, eine Investition. Ob die Dienstleistung dieses Investment wert ist, muss sich erweisen. Dass mancher Spitzen-Manager seinen Preis nicht wert ist, sehe ich genauso wie du – die meisten scheinen es aber zu sein.
am 27. November 2007 um 20:59
@Jörg
Wenn ich Herrn Podolski nicht mag, muß ich sein Trikot nicht kaufen und kann mich auch sonst aus der Verwertungskette halbwegs gut heraushalten – außer Monopolisten, wie die Telekom bei Bayern oder Gazprom bei Schalke schmeißen mit Millionen um sich, die ich refinanzieren muß. Wenn ich Tom Cruise nicht mag, gehe ich nicht in seine Filme und kaufe keine Produkte, die mit ihm werben – auf die Idee etwas von Britney Spears zu kaufen, käme ich eh nicht.
Wenn ich allerdings beispielsweise ein Auto kaufen will, habe ich nicht die Wahl, „Symapthieentscheidungen zugunsten des Managements und dessen Gehälter“ zu treffen – egal, welche Marke, der CEO bekommt Millionen. Das ist der Unterschied.
am 27. November 2007 um 22:58
Wenn du allerdings keinerlei Filme sehen willst, bei denen fürstlich bezahlte Schauspieler mitspielen, wirds schwer. Selbst Lars von Trier hat schon Nicole Kidman engagiert.
am 27. November 2007 um 23:01
Nicole Kidman sehe ich auch sehr gerne
Dennoch gibt es Low-Budget Produktionen noch und nöcher. Und wenn man den „Stars“ gar nichts gönnt, könnte man auch auf die pöhsen Tauschbörsen ausweichen *g*