Angst vor Osteuropa, China oder Indien?
Ob die Obstbauern im Havelland oder die um Stade auch schon Globalisierungsängste ausgestanden haben, als die ersten Bananen und Orangen die europäischen Häfen erreichten? Oder die holländischen Bootsbauer, als sie erkannten, dass der russische Zar persönlich zur Wirtschaftsspionage angereist war?
Die Bedingungen für die lokalen Märkte ändern sich ständig: Neue Anbieter tauchen auf, neue Produkte kommen auf den Markt. Das hat in den vergangenen Jahrhunderten in Europa zu unglaublicher Dynamik und zu ständiger Erhöhung des Wohlstandes geführt. Warum sollte das heute anders sein?
Kürzlich war ich zu Besuch bei einem mittelständischen Maschinenbauer. Da war man sehr optimistisch: Technologisch habe man gegenüber den Anbietern aus Asien einen riesigen Vorsprung. Solange man die modernsten Maschinen nicht nach China exportiert, würde das auch so bleiben. Was man dahin liefert, werde allerdings sofort kopiert – also liefert man nur solchen Produkte ins Reich der Mitte, die technologisch von vorgestern seien.
In Polen zu produzieren hätte man auch schon versucht. Aber da stimmt die Qualität nicht. Es kommt eben bei diesen Maschinen auf den letzten Millimeter an, und das bekäme man da nicht hin. Also wird natürlich in Deutschland produziert.
So einfach ist das: wenn die deutschen Produzenten sich auf die modernsten Techniken konzentrieren, ihren technologischen Vorsprung erhalten und die Qualitätsansprüche hoch bleiben, kann dem Standort Deutschland gar nichts passieren.
Besteht also keine Gefahr?
Voraussetzung für innovative Produkte sind hervorragend ausgebildete Facharbeiter und Ingenieure. Deshalb braucht Deutschland ein exzelentes, effizientes und umfassendes Bildungssystem.
Exzelent heißt: Moderne Lehrpläne, aktuelle Inhalte, wissenschaftlich fundierte pädagogische Methoden.
Effizient bedeutet: Kein Schulausfall, zügig zum Abschluss.
Umfassend ist: Breite kulturelle, naturwissenschaftliche und methodenorientierte Ausbildung.
Ja, auch kulturell, auch künstlerisch und sozial muss die Ausbildung sein. Denn Voraussetzung für den Erfolg deutscher Produkte sind eben auch die deutschen Tugenden: Fleiß, Gewissenhaftigkeit, Ehrgeiz, Strebsamkeit, Kooperation, Exaktheit. Die bekommt der junge Mensch zum einen im Elternhaus, aber zum Anderen auch ganz selbstverständlich durch eine entsprechend gestaltete Ausbildung vermittelt.
Der Staat mus nichts weiter tun, als diese Investitionen in die folgenden Generationen zu ermöglichen: Dannw erden auch die Sozialkassen entlastet, dann sprudeln die Steuerquellen. Und vor der Globalisierung braucht sich keiner zu fürchten, wie auch in den letzten 2000 Jahren nicht.
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am 24. November 2007 um 01:22
Ich bin ganz deiner Meinung. Wenn Deutschland auf Dauer den Herausforderungen einer globalisierten Welt gewachsen sein will, dann muss zu allererst in Bildung investiert werden. Besonders große Mengen an natürlichen Rescourcen hat unser Land ja nunmal nicht aufzuweisen.
Es ist schon verwunderlich, dass sich die Verantwortlichen immer noch so schwer tun den Bildungsetat deutlich zu erhöhen, wo es doch letzlich Geld ist, das in Zukunft auf vielen Wegen wieder in die Staatskasse zurückfließt:
- niedrigere Arbeitslosigkeit und dadurch geringere Kosten für die Sozialsysteme- höhere Steuereinkommen wegen höhere Löhne
- und viele andere Bereiche, die auch mittelbar zumindest in geweissem Maße profitieren würden(z.B. geringere Verbrechensrate)
Hast du ja auch schon angesprochen.
Gerade in einer immer enger vernetzten Welt, solte doch der Bedarf an gut ausgebildeten Dienstleistern vorhanden sein. Und das sind ja nur die Argumente, die man auch einem rein ökonomisch Denkenden beibringen kann; vom Wert der Bildung auf dem Wege der Selbstfindung des Einzelnen ganz abgesehen.
Mir scheint, dass bildungspolitisch der Steit um die Gesamtschule zu einer regelrechten Blockade für neue Ansätze geführt hat. Das sollte langsam mal ein Ende haben.