Jörg Friedrich


Selbstmord in Köln: Keiner hat Schuld?

20. November 2007 Kategorie: Gesellschaft |

Der 17jährige Schüler aus Köln, welcher der Vorbereitung eines Amoklaufs verdächtig war, hat sich unmittelbar nach der Vernehmung durch die Polizei umgebracht. In den Verlautbarungen, die seit dem im Rundfunk von Polizei und Schule zu hören sind, weisen diese jede Verantwortung von sich. Tenor: Dem Schüler war nicht anzumerken, dass eine akute Suizid-Gefahr besteht. Man habe genau nach den Vorschriften gehandelt, deshalb treffe weder die Polizei noch die Schulleitung Schuld an diesem Selbstmord.

Keiner hat einen Fehler gemacht? Der 17jährige ist tot, er brachte sich 15 min nach dem Gespräch mit den Beamten um. Da ist es schon sehr merkwürdig, jegliche Verantwortung von sich zu weisen, über die Frage, ob es vielleicht falsch war, den jungen Mann allein zu lassen, gar nicht nachzudenken.

Die Beamten können ruhig schlafen: Die Vorschriften wurden eingehalten. Aber ein junger Mensch ist tot.


Für Links auf diesen Artikel bitte wegen der Umlaut-Domain die folgende Adresse kopieren:
http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2007/11/20/selbstmord-in-koln-keiner-hat-schuld/

3 Kommentare to “ Selbstmord in Köln: Keiner hat Schuld? ”

  1. # 1 Wolfgang schreibt:

    Hallo Jörg,
    ich finde es gut und richtig, daß Du dieses Thema ansprichst. Es ist erschreckend, wie in Deutschland mit unserer Jugend umgegangen wird. Junge Menschen sehen keine Perspektiven mehr und der unsinnige Leistungsdruck führt sie in Depressionen. Es werden Milliarden an Geldern für Subventionen an die Industrie verschwendet, die dann auch noch mit diesen Geldern Arbeitsplätze im Ausland schaffen!!
    EU Milliardenförderung zur Arbeitsmarktpolitik – als Gewinner sind Wirtschaftsunternehmen und Beschäftigungsgesellschaften auszumachen

    Förderprogramme http://hartzboykott.de/index.php?/archives/46-Hartz-IV-Industrie-Teil-I.html

    2007 trat das EU Förderprogramm 2007-2013 „Projektideen für Kommunen“ in Kraft. Der brisante Umfang der Umstrukturierung des Arbeitsmarktes geht an der Öffentlichkeit lautlos vorbei. Mit den erforderlichen Gesetzesänderungen zur Öffentlich geförderte Beschäftigung (ÖBS) und dem Kombi-Lohn befasste sich eine Bundesratsinitiative, der die „AG Arbeitsmarkt“ unter Leitung von Franz Müntefering die Vorlage bot.
    Aber wohl kaum eine kleine- oder mittelständische Firma wird den mit der Förderung verbundenen Wust an Papierkrieg bewältigen können. So kommen voraussichtlich nur größere Unternehmen zum Zuge. Oder die eben die Abzocker, die den öffentlich geförderten Beschäftigungssektor und wie die Ein-Euro-Jobs als Goldgrube entdeckt haben.

    Würden diese Gelder alle in die Zukunftsentwicklung unserer Jugend gesteckt, müssten wir uns keine Gedanken mehr über unseren, ach so sozialen, Staat machen.

  2. # 2 romanmoeller schreibt:

    Das ist einfach unfassbar! Ich habe gestern einen langen Zeitungsbericht darüber gelesen. Die Polizei lobt „ihre gute und effektive Ermittlungsarbeit“. Dabei hat es nach dem Gespräch nichtmal jemand fertiggebracht, die Eltern zu kontaktieren. Ich bin der Ansicht, das bei einem solchen Gespräch (unabhängig vom Ergebnis) die Eltern informiert werden müssen.

    Ich glaube übrings das die Beamten weder ruhig schlafen können, noch tatsächlich ruhig schlafen. Das sind ja auch nur Menschen. Nach außen hin soll nur ein souveränder Eindruck entstehen – hinter den Kulissen sieht es ganz anders aus. Da bin ich mir sicher.

  3. # 3 Joerg schreibt:

    Hallo Roman,

    da hast du natürlich recht, auch ich halte weder die Polizisten noch die Lehrer für so abgebrüht, dass sie sich keine Vorwürfe machen – und würde ich annehmen, dass sie hier mitlesen, hätte ich das auch nicht so zugespitzt formuliert. Aber sie wollen den Eindruck erwecken, dass sie ruhig schlafen, und ich finde es auch falsch, Verantwortung nach außen zu verleugnen: Man wird dadurch auch nicht schneller damit fertig.

Kommentieren

XHTML: Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>