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Jörg Friedrich


Darf Greenpeace mit Bild gemeinsam das Klima schützen?

20. November 2007 Kategorie: Gesellschaft |

Stefan Niggemeier beendet seine Fördermitgliedschaft bei Greenpeace, wie es scheint, aus zwei Gründen. Beide sind interessant genug um über Aktionen zum Klimaschutz einmal genauer nachzudenken.

Greenpeace will, dass wir alle für 5 Minuten das Licht ausschalten, um ein Zeichen zu setzen. Um 20 Uhr, am 8. Dezember, wenn in Bali die internationale Klimaschutzkonferenz tagt, soll dies eine „eindringliche Mahnung, die national und international zu mehr Klimaschutz aufruft“ sein. Mit dabei sind der BUND, ProSieben, der WWF und natürlich die Bild-Zeitung, die die Aktion schon heute als „größte Klimaschutz-Aktion des Jahres“ feiert.

Nun ist Stefan Niggemeier ja grundsätzlich dagegen, irgendwie mit der Bild-Zeitung etwas gemeinsam zu machen.


Auch in diesem Falle findet er

es zwar falsch, angesichts von elfeinhalb Millionen täglichen Lesern aber immerhin nachvollziehbar, dass [Greenpeace] Partner der „Bild”-Zeitung geworden [ist], deren anti-aufklärerische Haltung und tägliche Desinformationen ganz gut dokumentiert sind.

Wer eine wirklich gute Aktion plant, die möglichts viele Menschen zu aktiven Klimaschützern macht, sollte allerdings auf die Medien, die zig Millionen erreichen, nicht verzichten. Die Frage ist: Ist diese Aktion gut?

Zuerst: Das Klima wird durch diese Aktion nicht geschützt, die Energieeinsparung, die von diesen 5 min erzielt wird, ist äußerst gering. Auch wenn negative Effekte duch das Wieder-Einschalten der Beleuchtung nicht zu erwarten sind – wirklich Strom wird durch eine solche Aktion genauso wenig gespart wie durch das Ausschalten des Stand-By-Modus am Fernseher. Beides hält den Klima-Wandel nicht auf.

Aber es soll ja ein Zeichen gesetzt werden. Fragt sich nur, für wen? Werden die Regierungs-Delegationen in Bali aus solchen Aktionen irgend etwas über die Bereitschaft der Deutschen zum Verzicht, zur Mäßigung entnehmen? Wird die Bundesregierung in ihren Verhandlungen mit China und Indien daraus eine zusätzliche moralische Autorität gewinnen? Wohl kaum.

Da müssten andere Aktionen her, ganz andere. Da müssten die Menschen auf die Straße gehen, um für das Abschalten von Architekturbeleuchtungen und Reklamen zu demonstrieren, da müssten die Deutschen massenhaft vom Auto aufs Fahrrad umsteigen. Auch das würde zwar alles im Weltmaßstab nicht viel bringen, würde aber deutlich machen, dass wir wirklich zu Einschränkungen bereit wären. Von so einer Position aus könnten wir dann mit den Entwicklungsländern gemeinsam Energiesparkonzepte erarbeiten.

So aber, und da hat Niggemeier völlig recht, ist die ganze Sache nur zu einem gut: Das eigene Gewissen zu beruhigen. Die Aktion ist ein wunderbarer Abschluss einer Reihe gleichartiger Gewissens-Events, die mit Pop-Konzerten gegen die Armut begann und auch die Free-Burma-Blogger-Demo nicht ausließ.

Das Klima wird ganz sicher nicht durch symbolische Aktionen stabilisiert, das Gewissen der Deutschen aber schon. Das Kündigen der Fördermitgliedschaft bei Greenpeace ist natürlich genau so eine symbolische Aktion. Aber wenn man dann noch drüber schreibt, wird vielleicht mehr daraus.


Für Links auf diesen Artikel bitte wegen der Umlaut-Domain die folgende Adresse kopieren:
http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2007/11/20/darf-greenpeace-mit-bild-gemeinsam-das-klima-schutzen/

5 Kommentare to “ Darf Greenpeace mit Bild gemeinsam das Klima schützen? ”

  1. # 1 mein-parteibuch.com » Bei Greenpeace geht das Licht aus schreibt:

    […] Prinz Bernhard gegründeten WWF-Verein dazu auf, das Licht auszuschalten. Jörg Friedrich stellt die Frage, ob diese Aktion gut ist und kommt zu dem Schluss, dass sie eher Symbolcharakter hat und kaum […]

  2. # 2 romanmoeller schreibt:

    Durch die Aktion wird das Klima natürlich geschützt – es ist in der Tat eher eine Tat mit Symbolcharakter. Man könnte wirklich auch sinnvolleres tun!

    Ein erster Schritt wäre z.B. die Reduzierung der Seitenzahl der Bildzeitung auf 2 Seiten. Wenn man den ganzen populistischen Ballast abwirft, kann man den tatsächlichen Informationsgehalt der Zeitung auch auf zwei Seiten unterbringen, sogar im Pocket-Format. Was da alles an Papier gespart werden könnte!

    Aber ernsthaft: klar ist die Bildzeitung aufgrund der Reichweite als Partner geeignet. Aber ideologisch ist die Bildzeitung natürlich nicht die korrekte Wahl. Ich weiß auch nicht ob die Mehrzahl der Zielgruppe zu einer solchen Aktion motivierbar ist.

  3. # 3 soeren onez schreibt:

    Ist hier das problem nicht ein sehr ähnliches wie bei den Live Aid Konzerten? Ist nicht auch hier der Eventcharakter im Vordergrund und verleitet die Menschen einen klimatisierten Ablasshandel zu vollziehen? Du schreibst, dass es wohl mehr das Gewissen, denn das Klima, beruhigt und ich stimme dir da ganz zu, doch was dann anderes tun, wenn man aus Erfahrung weiß, dass die leute für so etwas nicht auf die Straße gehen?

  4. # 4 Jörg schreibt:

    Die Frage ist, ob „auf die Straße gehen“ in diesen Fällen üerhaupt eine sinnvolle Option ist. Auf der Straße wird Protest oder Zustimmung demonstriert. Wogegen sollte aber demonstriert werden, und wen sollte der Druck der Straße zur Änderung seines Verhaltens bringen? Oder wer sollte (gegenüber wem?) in seiner Haltung, seinen Handlungen unterstützt werden?

  5. # 5 soeren onez schreibt:

    Ja der Adressat ist definitiv ein Problem. Aufmerksammachen reicht wohl nicht mehr, es sollte in den Köpfen angekommen sein, aber wer kann etwas tun. Gefordert sind wir alle, aber flächendeckend kann nur die Regierung, die Regierungen etwas tun.

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