Ungleichheit ist nicht ungerecht
Eine neue Welle der Ungerechtigkeits-Diskussion rollt durch Deutschland. Die Vermögenswerte sind in der Bundesrepublik noch ungleicher verteilt als die Einkommen. Daraus machen skandalverliebte Medien gern und schnell eine Diskussion über soziale Ungerechtigkeit – aber das ist Quatsch.
Zuerst die bloßen Fakten. Das DIW hat herausgefunden, dass etwa zwei Drittel der deutschen Erwachsenen faktisch kein Vermögen besitzen. Trotzdem liegt das durchschnittliche Vermögen der Deutschen pro Kopf bei etwa 81.000 €, die Hälfte der Deutschen hat aber weniger als 15.000 € Vermögen.
Das heißt, das Vermögen ist in wenigen Händen konzentriert. Eigentlich sollte das niemanden überraschen: Viele von uns haben einen privaten Vermieter, die meisten Unternehmen in Deutschland sind mittelständische Firmen und in privater Hand, wir gehen zum privaten Bäcker, besuchen, wenn wir krank sind, den niedergelassenen Arzt.
Das Vermögen der Vermögenden in Deutschland liegt nicht auf der Bank, es sind die Häuser, in denen wir wohnen, die Unternehmen, in denen wir arbeiten, die Zahnarzt-Stühle, auf denen wir uns behandeln lassen.
Wir sollten froh sein, dass das Vermögen in Deutschland in wenigen Händen konzentriert ist, nur so ist das vielfältige Leistungsangebot, welches wir nutzen, möglich. Die einzige Alternative wäre staatliches Eigentum, irgendwelche Groß-Institutionen, in denen Ärzte, Handwerker, Ingenieure usw. nur Angestellte wären.
Das gab’s schon auf deutschem Boden, auch wenn man sich nach nun bald zwei Jahrzehnten nicht mehr so richtig erinnern kann, und es hat nicht funktioniert.
Interessant ist ja, dass die Einkommensschere lang nicht so weit geöffnet ist wie die Vermögensschere. Das bedeutet ja, dass die Reichen aus ihrem Vermögen längst nicht die gleiche Rendite erzielen wie der Rest der Bevölkerung. Bedenkt man dann noch, dass die Menschen mit den oberen 10% der Einkommen 50 Prozent der Einkommenssteuern zahlen, sollte der Gerechtigkeit eigentlich genüge getan sein.


