Jörg Friedrich


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Globalisierung – der Schrecken des 21. Jahrhunderts?

Oktober 25, 2007 By: Joerg Category: Gesellschaft, Wirtschaft | No Comments →

Der Geh. Admiralitätsrat A. Brix hat ein Buch geschrieben, welches 1929 schon in der siebten Auflage erschienen ist. Es handelt vom „Bootsbau“ vom „Praktischen Schiffbau“. Wenn man ein solches Werk in die Hände bekommt, blättert man als als bibliophil veranlagter Mensch verzückt darin herum, liest hier ein paar Sätze, staunt dort über die Qualität einer Abbildung.

Auf Seite 246 (es geht gerade um Werften und Bootsbauereien) findet man z.B. die folgenden Sätze:

Bezüglich Gediegenheit der Ausführung braucht Deutschland den Wettbewerb des Auslandes … nicht zu fürchten. Wenn trotzdem immer noch eine Anzahl von Aufträgen ins Ausland gehen, so hat das seinen Grund einerseits in dem Weltruf gewisser ausländischer Firmen … andererseits in dem durch billiges Holz und niedrige Arbeitslöhne oder Steuern ermöglichten niedrigen Lieferungspreise.

Wie bitte? 1929? Spricht der Geh. Admiralitätsrat nicht von den Auswirkungen der Globalisierung auf Deutschland? Oder gab es etwa die Globalisierung schon 1929.

Ein nochmaliger Blick auf den Einband beweist, die Herausforderung, die wir heute als Globalisierung bezeichnen, gab es tatsächlich schon vor 80 Jahren, wahrscheinlich schon viel früher. Globale Märkte für Rohstoffe und Produkte sind kein neues Phänomen der letzten 10 Jahre.

Daraus kann gefolgert werden, dass Unterschiede im Lohnniveau und hohe Steuern genauso wenig ein Grund sind, im globalen Wettbewerb zu scheitern wie hohe Beschaffungskosten für Rohstoffe. Denn

In den letzten Jahren haben sich die Bootsbauereien entsprechend dem steigenden allgemeinen Interesse sehr entwickelt. Neue Firmen sind gegründet,größere Kapitalien zur Verfügung gestellt und bessere Einrichtungen und Maschinen beschafft worden.

Woran lag es 1929, dass der alte Brix keine Angst vor der Globalisierung hatte? Denn „noch“ schreibt er „eine Anzahl von Aufträgen ins Ausland“.

Der Geh. Rat sieht den Vorteil Deutschlands im qualifizierten, gut ausgebildeten

Arbeiterstamm. Dadurch, dass die Leute auf die Einrichtungen ihrer Werft eingearbeitet sind, ist es möglich, vorzügliche Arbeiten herauszubringen.

Also: Keine Angst vor Niedriglohnländern! Und auch ein ewiges Stellen an des Steuerschrauben in die eine oder andere Richtung wird uns nicht helfen: Ausbildung, Qualifikation und Bindung der leistungsstarken Mitarbeiter an das Unternehmen, das sind die Garanten für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

Ist die Religion schuld?

Oktober 25, 2007 By: Joerg Category: Gesellschaft, Philosophie | No Comments →

An der Frage, ob der Islam an irgendetwas Schuld ist, erhitzen sich immer wieder die Gemüter, ebenso häufig wird auch nach der Schuld des Christentums für die Unterdrückung der Frauen und alles übrige Leid auf der Welt gefragt. Die Diskussionen reiben sich immer wieder auf, zumeist an Missverständnissen, die sich aus der Vermengung von Begriffen ergeben, die nicht miteinander identische Inhalte haben.

Es geht um Glauben, Religion und Kirche. Diese Begriffe sind nicht identisch, und deshalb kann es für eine sachliche, konstruktive Diskussion nicht gut sein, wenn man den Glauben eines Menschen mit der Kirchenzugehörigkeit eines anderen vergleicht, oder wenn man eine Religion kritisiert und als Gegenstück die Funktionsweise einer Kirche heranzieht.

Es kann einer an einen Gott glauben, an eine bestimmte Schöpfungsgeschichte, daran, dass bestimmte historische Personen existieren und zu ihrem Gott in einer gewissen herausgehobenen Beziehung standen (wie z.B. Moses, Jesus, Mohamed). Das ist Glauben. Der Glauben ist zunächst einmal an einen je einzelnen Menschen gebunden, an den, der glaubt.

Dann kann jemand aus diesem Glauben bestimmte Regeln für sein Leben ableiten, kein Schweinefleisch essen, auf gewisse Weise seinen Gott anbeten, Gutes tun, weil es Gott gefällig ist. Das ist die Ausübung einer Religion. Man sieht, eine bestimmte Religion folgt nicht automatisch und eindeutig aus einem Glauben, der Glaube verschiedener Menschen kann weitgehend übereinstimmen, trotzdem können sie zu unterschiedlichen Religionsformen neigen oder auf die Ausübung einer Religion ganz verzichten. Gleichzeitig können sich Formen der Religionsausübung auch ganz vom Glauben trennen, sie können ihre Wurzeln verlieren, ohne an Kraft über die Handlungen eines Menschen einzubüßen.

Wenn diese Religionsausübung institutionalisiert wird, wenn die Institution dem Gläubigen die Regeln für seine Religionsausübung vorschreibt und deren Einhaltung überwacht, kann man diese Institution als Kirche bezeichnen (oder als Sekte oder noch anders, das wäre weiter zu differenzieren, spielt aber hier keine Rolle). Gerade bei der Ablösung der Religion vom Glauben, bei der Verselbständigung des religiösen Handelns, spielt die Kirche eine große Rolle. Die Begründungsrolle für religiös motiviertes Handeln, die der Glaube nicht mehr spielen kann, übernimmt die Institution.

Alle drei (Glauben, Religion, Kirche) stehen also im Zusammenhang, müssen aber nicht widerspruchsfrei aufeinander aufbauen. Deshalb muss man genau hinschauen, was man kritisiert: den Glauben, die spezifische Religionsausübung oder die Institution, die die Regeln setzt (oder sich diese Setzung anmaßt). Oder man kritisiert die jeweilige Weise, wie jemand das eine aus dem anderen ableitet.