Globalisierung – der Schrecken des 21. Jahrhunderts?
Der Geh. Admiralitätsrat A. Brix hat ein Buch geschrieben, welches 1929 schon in der siebten Auflage erschienen ist. Es handelt vom „Bootsbau“ vom „Praktischen Schiffbau“. Wenn man ein solches Werk in die Hände bekommt, blättert man als als bibliophil veranlagter Mensch verzückt darin herum, liest hier ein paar Sätze, staunt dort über die Qualität einer Abbildung.
Auf Seite 246 (es geht gerade um Werften und Bootsbauereien) findet man z.B. die folgenden Sätze:
Bezüglich Gediegenheit der Ausführung braucht Deutschland den Wettbewerb des Auslandes … nicht zu fürchten. Wenn trotzdem immer noch eine Anzahl von Aufträgen ins Ausland gehen, so hat das seinen Grund einerseits in dem Weltruf gewisser ausländischer Firmen … andererseits in dem durch billiges Holz und niedrige Arbeitslöhne oder Steuern ermöglichten niedrigen Lieferungspreise.
Wie bitte? 1929? Spricht der Geh. Admiralitätsrat nicht von den Auswirkungen der Globalisierung auf Deutschland? Oder gab es etwa die Globalisierung schon 1929.
Ein nochmaliger Blick auf den Einband beweist, die Herausforderung, die wir heute als Globalisierung bezeichnen, gab es tatsächlich schon vor 80 Jahren, wahrscheinlich schon viel früher. Globale Märkte für Rohstoffe und Produkte sind kein neues Phänomen der letzten 10 Jahre.
Daraus kann gefolgert werden, dass Unterschiede im Lohnniveau und hohe Steuern genauso wenig ein Grund sind, im globalen Wettbewerb zu scheitern wie hohe Beschaffungskosten für Rohstoffe. Denn
In den letzten Jahren haben sich die Bootsbauereien entsprechend dem steigenden allgemeinen Interesse sehr entwickelt. Neue Firmen sind gegründet,größere Kapitalien zur Verfügung gestellt und bessere Einrichtungen und Maschinen beschafft worden.
Woran lag es 1929, dass der alte Brix keine Angst vor der Globalisierung hatte? Denn „noch“ schreibt er „eine Anzahl von Aufträgen ins Ausland“.
Der Geh. Rat sieht den Vorteil Deutschlands im qualifizierten, gut ausgebildeten
Arbeiterstamm. Dadurch, dass die Leute auf die Einrichtungen ihrer Werft eingearbeitet sind, ist es möglich, vorzügliche Arbeiten herauszubringen.
Also: Keine Angst vor Niedriglohnländern! Und auch ein ewiges Stellen an des Steuerschrauben in die eine oder andere Richtung wird uns nicht helfen: Ausbildung, Qualifikation und Bindung der leistungsstarken Mitarbeiter an das Unternehmen, das sind die Garanten für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.