Jörg Friedrich


Archive for Oktober 15th, 2007

Paul Feyerabend und der erkenntnistheoretische Realismuns

Oktober 15, 2007 By: Joerg Category: Philosophie | No Comments →

Im erkenntnistheoretischen Streit um den Realismus und sein Gegenstück, den In-strumentalismus, wird mit normativen Argumenten um den richtigen methodischen Ansatz in der Wissenschaft gerungen. Schon deshalb ist es von großem Interesse, was der Denker zu dieser Debatte beigetragen hat, der wie kein anderer mit seiner grund-sätzlichen Ablehnung jeglicher normativer Bewertung von Erkenntnismethoden die Erkenntnistheoretiker aber auch die Forscher der Einzelwissenschaften irritiert und provoziert hat. Paul Feyerabend hat mit seinem provokanten „Anything goes!“ in sei-nem wohl folgenreichsten Werk „Wider den Methodenzwang“ (Feyerabend, 1983, Seite 32) die Wirklichkeit des Wissenschaftsprozesses zutreffend und prägnant be-schrieben, ob er damit der Wissenschaftstheorie und dem Selbstverständnis der Wis-senschaftler einen konstruktiven Impuls gegeben hat, ist allerdings diskussionswür-dig. Gerade diese Diskussion, die in der Feyerabend-Rezeption in der einen oder an-deren Form immer wieder auftaucht, kann an Feyerabends Beiträgen zur Realismus-Instrumentalismus-Debatte konkret und exemplarisch geführt werden. Feyerabend hat letztlich sein Konzept „Anything goes!“ selbst auf das Realismus-Instrumentalismus-Problem konsequent angewandt. Gleichzeitig hat Feyerabend seine eigene Position hierzu im Laufe der Entwicklung seines erkenntnistheoretischen Anarchismus selbst mehrfach überarbeitet und revidiert. Somit sind seine diesbezüglichen Veröffentli-chung auch eine eindrucksvolle Illustration des Feyerabend’schen Werdeganges vom „Popperianer“ zum „erkenntnistheoretischen Anarchisten“.

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Eine Chance für Anne Will

Oktober 15, 2007 By: Joerg Category: Gesellschaft | No Comments →

Die Sendung, die lange, viel zu lange sonntags nach dem Tatort in der ARD lief, habe ich in den letzten Jahren nicht länger als 10 min ertragen können. Fast hätte diese Allergie mich auch von Anne Will fern gehalten – doch gestern bekam sie ihre Chance.

Schon die Vorstellung der Gäste war eine Wohltat: Nur zwei Politiker, ein CDU-Ministerpräsident und ein SPD-MdB und Bildungsexperte, dazu eine Schulleiterin und ein Lehrer-Verbands-Chef.

Dazu kamen, gesondert und etwas näher am Publikum platziert, zwei frisch gebackene Nobelpreisträger (wer hat der hat) und eine Hauptschülerin, die gerade zum Gymnasium gewechselt war, mit ihrem Mentor (ein schlank gebiebener Karl Konrad Koreander).

Es sollte also um Bildungspolitik gehen, die Sendung hatte den etwas reißerischen Untertitel „Klassenkampf im Klassenzimmer“. Dazu wandte sich Anne Will zunächst an die jüngst prämierten Wissenschaftler.

Ein kluger Einfall der Sendungs-Macher: Frau Will ging für die Unterhaltung mit den beiden zu ihnen hinüber, setzte sich zu ihnen. Somit war Ruhe und Zeit für ein gesondertes, von störenden Politiker-Zwischenrufen freies Interview. Das wiederholte sich beim späteren Gespräch mit der Schülerin und ihrem Mentor.

Die zweite Freude des Abends: die Leute ließen sich gegenseitig ausreden, und sie nahmen sich Zeit für kluge, differenzierte Antworten. So passierte es, dass ich unversehens dem Prof. Lauterbach zustimmen musste, den ich bisher kaum ertragen habe, wenn er irgendwo aufgetaucht war.

Zum Thema selbst möchte ich hier gar nichts sagen, das ist eine andere Geschichte, die ein andermal erzählt werden soll. Der Stil und der Verlauf der Sendung war so angenehm, dass ich den Sonntag Abend optimistisch und gut gelaunt beenden konnte. Optimistisch, was das Bildungswesen betrifft, aber auch hinsichtlich der politischen Diskussionskultur in Deutschland.

Ich hoffe, dass Anne Will das durchhält. Maximal zwei Politiker pro Abend, das wäre schon mal gut. Dazu Leute aus dem richtigen Leben und Experten. Das ist eine gute Mischung.

Ich freue mich auf nächsten Sonntag.