Paul Feyerabend und der erkenntnistheoretische Realismuns
Im erkenntnistheoretischen Streit um den Realismus und sein Gegenstück, den In-strumentalismus, wird mit normativen Argumenten um den richtigen methodischen Ansatz in der Wissenschaft gerungen. Schon deshalb ist es von großem Interesse, was der Denker zu dieser Debatte beigetragen hat, der wie kein anderer mit seiner grund-sätzlichen Ablehnung jeglicher normativer Bewertung von Erkenntnismethoden die Erkenntnistheoretiker aber auch die Forscher der Einzelwissenschaften irritiert und provoziert hat. Paul Feyerabend hat mit seinem provokanten „Anything goes!“ in sei-nem wohl folgenreichsten Werk „Wider den Methodenzwang“ (Feyerabend, 1983, Seite 32) die Wirklichkeit des Wissenschaftsprozesses zutreffend und prägnant be-schrieben, ob er damit der Wissenschaftstheorie und dem Selbstverständnis der Wis-senschaftler einen konstruktiven Impuls gegeben hat, ist allerdings diskussionswür-dig. Gerade diese Diskussion, die in der Feyerabend-Rezeption in der einen oder an-deren Form immer wieder auftaucht, kann an Feyerabends Beiträgen zur Realismus-Instrumentalismus-Debatte konkret und exemplarisch geführt werden. Feyerabend hat letztlich sein Konzept „Anything goes!“ selbst auf das Realismus-Instrumentalismus-Problem konsequent angewandt. Gleichzeitig hat Feyerabend seine eigene Position hierzu im Laufe der Entwicklung seines erkenntnistheoretischen Anarchismus selbst mehrfach überarbeitet und revidiert. Somit sind seine diesbezüglichen Veröffentli-chung auch eine eindrucksvolle Illustration des Feyerabend’schen Werdeganges vom „Popperianer“ zum „erkenntnistheoretischen Anarchisten“.