Skulp-Tour-isten
Zuerst waren da 34 Baustellen im ganzen Stadtgebiet, dann waren es 34 Skulptur-Projekte. Nun sind die Touristen über Münster gekommen…
Das Interessanteste an der Ausstellung sind nicht die Projekte selbst, sondern die, welche sie besichtigen: die Skulp-T(o)ur-Isten. Meistens sitzen sie, wie es sich für Münster gehört, auf dem Fahrrad und halten einen Faltplan in der Hand. Der suchende Blick, der zwischen Plan und umgebender Architektur hin und her flackert, gehört ebenfalls zu den untrüglichen Erkennungsmerkmalen des Skulp-T(o)ur-Isten.
Dabei erkennt der Suchende vor allem am massenhaften Auftreten von Seinesgleichen, dass er sein Ziel erreicht hat. Er stellt das Rad beseite und beginnt mit der Betrachtung des jeweiligen Kunstewerks. Er umschleicht es zunächst, dabei prüfende Blicke auf die Umstehenden werfend („Bin ich der einzige hier, der das nicht kapiert?“). Sodann kniet er nieder, um die Sache aus der Kinderperspektive zu betrachten, streckt sich, um einen Über-Blick zu bekommen. Der Gesichtsausdruck schwankt immer schneller zwischen ernst-verstört und belustigt-spöttisch.
Sodann sucht der Skulp-T(o)ur-Ist Rat in den mitgeführten Unterlagen. Nur selten wird sein Blick nun vom Lichte der Erkenntnis erhellt. Schließlich greift der Skulp-T(o)ur-Ist zum Fotoapparat und schießt ein Erinnerungs-Bild, darauf bedacht, weitere Skulp-T(o)ur-Isten nahe beim Kunstwerk mit auf sein Foto zu bannen, dokumentiert doch deren Gesichtsausdruck das gleiche Unverständnis wie das, was er selbst empfindet.
Sodann schwingt der Skulp-T(o)ur-Ist sich wieder aufs Rad – nicht, ohne einen Blick auf sein Faltblatt geworfen zu haben, auf dem er den Or der nächsten Skulptur schon ausgemacht hat.