Ist das Suchen eine Kulturtechnik?
Das Wort „Kulturtechnik“ ist ein starker Begriff. Obwohl er kaum klar definiert sein dürfte, sind die menschlichen Handlungsmuster, die mit diesem Begriff eingeordnet werden, zentral für das Strukturieren unseres Selbstverständnisses. Religion, Wissenschaft, Kunst, Ackerbau und Viehzucht, das sind einige der zentralen Kulturtechniken. Gehört die Internet-Suche auch dazu?
Jürgen Lübeck greift das Stichwort aus einer anderen Diskussion über Google auf und regt mich so zum Nachdenken an.
Kulturtechniken sind benennbare und abgrenzbare Wege des Menschen, sich die Welt zu erschließen und anzueignen. Die Idee, das „googlen“ dazuzuzählen, ist interessant: Tatsächlich nutzen immer mehr Menschen nicht nur die Suchmaschine, um bestimmte Informationen zu finden, sie entwickeln auch Verfahren, sich Kontextinformationen und neues Wissen zusammenzustellen, zu priorisieren und für eigenes Handeln zur Grundlage zu machen. Der Blick auf die Welt wird durch dieses Handlungsmuster geprägt.
Dabei ist das Googlen aber weit mehr als Informations-Suche. Es ist auch eine charakteristische Art, die gefundenen Informationen schnell aufzunehmen, zu ordnen, zu priorisieren und in (meist wiederum Internet-gestützer) Kommunikation einzusetzen.
Deshalb sollte man sich davor hüten, die Rolle der Suchmaschine Google in diesem Prozess überzubewerten. Vielleicht ist Googlen tatsächlich eine Kulturtechnik wie die Religion oder die Wissenschaft, aber Google ist nicht Gott, und sobald das Unternehmen versucht, sich zum Gott aufzuspielen, werden andere neben ihm stark werden.
Allerdings bietet die Kulturtechnik googlen denen Chancen, denen es gelingt, das Material Information so bereitzustellen, dass es optimal auf das Verhalten der Menschen innerhalb dieses Systems passt.
Für Links auf diesen Artikel bitte wegen der Umlaut-Domain die folgende Adresse kopieren:
http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2007/07/26/ist-das-suchen-eine-kulturtechnik/