Jörg Friedrich


Ohnmacht ist ein schönes Gefühl

22. März 2007 Kategorie: Gesellschaft |

Ob ich mich für Politik interessiere? Ach wissen Sie, da kann man doch eh nichts machen. Die machen doch sowieso was sie wollen. Und wir sind die dummen. Stecken sich doch alles in die eigene Tasche. Was, Demokratie? Sie scherzen wohl? Da ist doch einer wie der andere. Sind doch alle gleich. Alle in einen Sack und draufhaun, sag ich immer. Trifft immer den richtigen, sag ich immer.
Was sagen Sie, da wären schon Unterschiede? Na Sie Spaßvogel, glauben Sie denn, die erzählen Ihnen die Wahrheit? Wenn die Kamera dabei ist, dann tun sie so, ja ja. Aber glauben Sie mir, nachher stecken die die Köpfe zusammen und lachen sich tot über uns! Sind doch alles Schauspieler, einer wie der andere. Spielen uns was vor, in Wirklichkeit machen sie gemeinsame Sache, grad wie es ihnen passt, ja.
Was meinen Sie, wählen könnt ich doch, wen ich will? Sagen Sie mal, wo leben Sie denn? Glauben Sie, das hätte irgend eine Bedeutung, wo ausgerechnet ich mein Kreuz mache. Die schieben sich doch die Posten und Pöstchen zu, wie’s ihnen beliebt. Das ist ein Geschacher ich sag’s Ihnen. Nee nee, die machen mit uns was sie wollen, können Sie mir glauben. Ich weiß, wovon ich rede.
Was, die Presse? Na, Sie sind mir ja vielleicht ein Komiker! Glauben Sie, die Zeitungen schreiben die Wahrheit? Ha, dass ich nicht lache! Die schreiben doch auch nur, was genehm ist. Ab und zu mal ein kleiner Skandal, ist alles abgesprochen. Einer muss über die Klinge, damit wir glauben, es gibt Gerechtigkeit. Aber glauben Sie mir, der fällt weich! Da sorgen schon die Geheimdienste für.
Was die Geheimdienste damit zu tun haben?? Mann, Sie sind wohl nicht von dieser Welt! Die steuern doch alles, alles, ich sag’s ihnen. Die haben alles in der Hand! Denken Sie nur an den 11. September. Wie, was Osama Bin Laden?! Ist doch längst erwiesen, dass das die CIA war. Wissen Sie, ich glaube ja, der Osama ist selbst einer von denen. Das ist doch logisch, das ist die einzige Erklärung. Passt auch zu denen. Meint mein Schwager auch.
Da kann man nichts machen. Kommen Sie, trinken wir noch ein Bier.


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Ein Kommentar to “ Ohnmacht ist ein schönes Gefühl ”

  1. # 1 Maike schreibt:

    Ein Politiker hat sich mal sehr mißbilligend dazu geäußert, daß Psychologen und Analytiker die sensiblen, offenen und unauffälligen Persönlichkeiten als reicher und gesünder betrachten als die robusten Naturen, die sich allem und jedem anpassen.
    Anpassen ist ja doch großteils Fremdsteuerung.
    Als Vertreter der Macht – „Ideologie eines falschen Selbst“ – fürchten sich vor innengeleiteten Menschen. Sie verachten diese, weil sie ihre Angst nicht zugeben können. Es spielt dabei keine Rolle, ob einer politisch im rechten oder linken Flügel angesiedelt ist. Überall ist es Machtbesessenheit und nicht Offenheit für die Realität in ihren reichen und lebendigen Möglichkeiten.
    Ja und so ist dies unser aller Problem, weil solche Menschen in Positionen sitzen, von denen aus sie die Geschichte bestimmen können. Die Fixierung auf Macht und das zwangsläufige Bedürfnis „mächtig“ zu sein, bringen oft gerade diejenigen an die Macht, deren Innere Leere am größten ist. Sie versuchen unbewußt diese innere Leere durch äußeren Glanz zu kompensieren.

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