Offene Interviews in der Anforderungsanalyse
Wir können verschiedene Interviewformen nach dem Grad ihres strukturierten oder standardisierten Ablaufes unterscheiden. Offene Interviews sind dann solche, deren Ablauf hinsichtlich der behandelten Fragestellungen und besprochenen Themen nicht klar vorherbestimmt sind. Beides wird eher durch den Interviewpartner als durch den Interviewer bestimmt. Letzterer fungiert hier zunächst vor allem als Stichwortgeber und Nachfrager. Er lenkt den Ablauf, indem er aus den Antworten weitere Fragen ableitet und damit bestimmte Aspekte vertieft, Anknüpfungspunkte sucht um weitere Themen zu erschließen und ähnliches.
Das typische offene Interview ist das narrative (erzählende) Interview, welches in der journalistischen Praxis besonders häufig anzutreffen ist, insbesondere wenn es um Unterhaltung eines Publikums durch die Präsentation der Person des Interviewpart-ners geht.
In der empirischen Sozialforschung werden offene Interviews mit explorativer Ziel-setzung geführt (exploratives Interview). Diese Interviewform wird eingesetzt, wenn der Forscher vor dem Interview kein oder nur geringes Wissen über den Forschungs-gegenstand besitzt. Er wird dann durch offene Fragen den Interviewpartner (Exper-ten) zum Erläutern des Gegenstandes, zur Darstellung seines Handlungs- und Kon-textwissens ermuntern.
In der Anforderungsanalyse findet das explorative Interview Anwendung wenn der Analyst noch nichts oder wenig über die Geschäftsprozesse und die Ziele der Kunden oder Benutzer weiß. Mit Hilfe dieser Interviewform verschafft er sich einen Über-blick über das notwendige Geschäftswissen und über die Ziele der Anspruchsgruppen im Projekt.
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